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Krimitipp | Jo Nesbø : Headhunter

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Ungelesen, angelesen, quergelesen – Der Krimitipp des Tages | Jo Nesbø : Headhunter

Jo Nesbø : Headhunter : Thriller / Aus dem Norwegischen von Günther Frauenlob. – Berlin : Ullstein, 2010
ISBN 978-3-548-28045-4 – Preis 14,95 €

Lese und tue Gutes – nach diesem Motto funktioniert der neue Thriller des norwegischen Autors Jo Nesbø. Wer nämlich “Headhunter“ – dessen Originaltitel ich im Buch nicht entdecken konnte – käuflich erwirbt, der spendet damit Geld für eine Stiftung, die gegen Analphabetismus bei Kinder kämpft und von Jo Nesbø gegründet wurde. Und was bekommt man für sein Geld zu lesen?

Roger Brown ist einer dieser Headhunter, der seinen Kunden jedoch nicht nur möglichst gute Manager vermittelt, er erleichtert sie auch um ihre Kunstwerke und verkauft sie. Als er an Clas Greve gerät, den er vermitteln soll und der einen wertvollen Rubens besitzt, hat er seinen härtesten Gegner gefunden. Das Multitalent Nesbø, der ja nicht nur Schriftsteller, sondern auch Musiker und Ökonom ist, dürfte sich in der Welt der Wirtschaftsbosse gut auskennen. Damit könnte es tatsächlich mal einen interessanten Wirtschaftskrimi geben, vermutlich geht es aber in die andere Richtung. Immerhin dürfte man etwas über die Fragetechnik des FBI lernen. Man weiß ja nie, wofür man das brauchen kann…

Da draußen
Rücksichtslosigkeit zahlt sich aus – Interview mit Jo Nesbø
Trailer zum Buch


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Das tägliche Drama | Folge 4

2 Kommentare

+++ Twitter off +++

Stapel unbesprochener Werke, diesmal mitten in New York: Richard Price zieht mich zur Zeit rüber. „Lush life“, auf Deutsch „Cash“. Hochgelobter, gegenwärtiger, gesellschaftlicher, politischer, krimineller Bestseller, Lifestyle-Porträt nach 9/11. Bislang merke ich da nicht viel von. Netter, leicht verwirrter Kriminalroman trifft’s momentan noch besser.

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Eine Krimi-Königin und eine Königin der Meere: Die englische Autorin P. D. James ist gerade auf der „Queen Mary II“ unterwegs gewesen, für USA Today Anlass zu einem ausführlichen Porträt – mit Zahlen und Fakten. Und wem dies an täglicher P.D. James-Dosis noch nicht reicht, beim „Telegraph“ gibts noch ein schönes, ausführliches Porträt – mit Video sogar!

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Retro: Die BBC hat dem werten Sherlock Holmes mal wieder einen neuen Auftritt auf der Mattscheibe verpasst. Gerard Gilbert hat für „The Independent“ schon mal reingeschaut und ist sich sicher: „The reasons we shouldn’t update them are elementary.“

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International Affairs: „If you like organized crime stories then try Germany and Italy. Traditional mafiosos still turn up, but new European crime fiction increasingly deals with crime rings run by Eastern European gangs.“ So sieht man das beim „Wall Street Journal“. Alexandra Alter beschäftigt sich mit der Infiltration des US-amerikansichen Krimimarktes durch ausländische Autoren – zum Beispiel Jakob Arjouni, Jo Nesbø, Leonardo Padura oder Carlo Lucarelli.

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Afrikanisch: Okay, dieses Fundstück hat jetzt schon ein paar Tage auf dem Buckel, aber als Leseliste ist es diskutabel. „Michael Stanley’s top 10 African crime novels“ – beim Guardian am 30. Juni veröffentlicht – als alle Welt noch nach Südafrika schaute. (Okay, Deutschland schaute an dem Tag nach Berlin). Auf der Liste vertreten ist auch ein Roman aus Robert Wilsons Bruce-Medway-Reihe, die in Afrika spielt und die den deutschen Markt bislang nicht erreicht hat. Nachzuholen?

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Erst vor eingen Tagen eine Besprechung in der „Washington Post“, dann ein ausführlicher Hintergrundbericht beim geschätzten Ali Karim und seit heute morgen Krimitipp des Tages. So kann es gehen, mit den „Thrillers – 100 Must-Reads“.

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Apropos Buchempfehlung: Wie man wem die richtigen Bücher empfiehlt – Laura Miller hat sich bei „Salon.com“ dazu ihre Gedanken gemacht.

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Ganz viel Wahrheit: Der tägliche Glamour-Faktor muss sein. Ulrich Wickert hat dem Gesellschaftskolumnisten der „BZ“ seine Tipps für’s Krimischreiben diktiert. Bitte, lieber Kinder und Krimiautoren, NICHT nachmachen!

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Schönes Schwitzen noch!

Bildquelle: satanoid@flickr via/ everystockphoto.com

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Krimitipp | David Morrell & Hank Wagner: Thrillers : 100 Must-Reads

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Ungelesen, angelesen, quergelesen – Der Krimitipp des Tages | David Morrell & Hank Wagner: Thrillers : 100 Must-Reads

David Morrell, Hank Wagner (Ed.): Thrillers : 100 Must-Reads; Today’s best thriller writers on one hundred classics of the genre. – Longboat Key, Florida : Oceanview Publishing, 2010
ISBN 978-1-933515-56-4 – Preis (amazon.de) 23,99

Das “must-read“ im Titel lässt mich natürlich skeptisch werden. Warum soll man ausgerechnet diese einhundert Erzählungen, Romane und Epen lesen und nicht einhundert andere? Die beiden Herausgeber von “Thrillers – 100 Must-Reads“ sprechen den einhundert vorgestellten Werken einen gewissen Einfluss zu. Weiterhin haben sie den einhundert Thriller-Autoren, die jeweils ein Buch vorstellen, bei ihrer Auswahl noch weitere Kriterien mitgegeben: Gleichgültig, welche Unterart von Thriller vorliegt – Spionage-Thriller, Action-Thriller oder romantischer Thriller – gemeinsam müsse ihnen die Spannung sein, das Adrenalin, das sie durch die Adern ihrer Leser strömen lassen. Weiterhin zähle die Wirkung, die das Werk in seinem jeweiligen historischen Kontext und darüber hinaus verbreitet habe. Denn nicht jeder Roman, der womöglich vor 200 Jahren seine Leser fesselte, kann diese Wirkung noch heute erzielen – aber er hat vielleicht nachfolgende Autoren und ihren Stil, ihre Geschichten beeinflusst.

Nun, ob man beim Epos “Beowulf“ heutzutage vor Spannung immer noch ins Stocken gerät, ob “Macbeth“ uns immer noch schaudern lässt, ob “Frankenstein“ uns, die wir schon hunderte moderner Wissenschaftsthriller verschlungen haben, immer noch packt, bezweifele ich, aber das alleine ist eben nur ein Kriterium. Interessanter ist vielleicht zu sehen, welcher zeitgenössische Thriller-Autor welchen “Klassiker“ empfiehlt. Lee Child greift zur griechischen Mythologie und präsentiert uns die Geschichte von Theseus im Labyrinth des Minotaurus, David Liss erklärt uns die Faszination von “Robinson Crusoe“ und Joe R. Lansdale verweist mit “The Postman Always Rings Twice“ auf einen Klassiker der Moderne. Auch wesentlich aktuellere Romane finden sich als Empfehlung: Lee Childs “Killing Floor“ (man empfiehlt sich auch gelegentlich gegenseitig), Jeffery Deavers “The Bone Collector“ oder auch Dan Browns “Da Vinci Code“ stehen auf der Liste. Nun ja. Von einem ernstzunehmenden Kanon kann man wohl kaum sprechen, die ein oder andere Leseanregung mag es durchaus geben. Meine grundlegende Skepsis, wenn Thriller- oder Krimiautoren Thriller oder Krimis empfehlen, bleibt bestehen.

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Krimitipp | Roger Jon Ellory: Vergib uns unsere Sünden

Ungelesen, angelesen, quergelesen – Der Krimitipp des Tages | Roger Jon Ellory: Vergib uns unsere Sünden
Vergib uns unsere Sünden
Roger Jon Ellory: Vergib uns unsere Sünden : Thriller / Aus dem Englischen von Walter Ahlers. – München : Goldmann, 2010
ISBN 978-3-442-47210-9 – Preis: 9,95 €

Als vor sieben Jahren Roger Jon Ellorys Debütroman “Candelmoth“ in deutscher Übersetzung “Eine Zeit aus Feuer“ erschien, da fand die Geschichte über einen in der Todeszelle sitzenden Mann, der einem Pfarrer seine Lebensgeschichte schildert, im Netz eine sehr positive Resonanz. Ergreifend und herzzerreißend lauteten einige der Urteile. Danach war hier in Deutschland kaum etwas von R. J Ellory zu lesen, obwohl im Englischen mittlerweile sieben Romane vorliegen. Nun versucht sich der Goldmann-Verlag an einem neuen Roman des britischen Autors, dessen Romane aber hauptsächlich in den USA spielen. “A Simple Act Of Violence“, Ellorys sechstes Buch, ist jetzt unter dem religösen Kitsch-Titel “Vergib uns unsere Sünden“ (sorry, aber das klingt wirklich zu sehr nach Elizabeth “ich-schreibe-Krimi-Kitsch-Gesellschaftsromane“ George). Dabei wird dem Thriller von der englischen und US-amerikanischen Kritik durchaus eine gewisse “Wucht“ und politische Bezüge zugesprochen.

Während der Wahlkampf in Washington auf Hochtouren läuft, stört ein Serienkiller das politische Geschehen. Vier Frauen wurden ermordet und nicht nur der Täter, auch die Opfer geben den Ermittlern Robert Miller und Albert Roth Rätsel auf. Denn die vier ermordeten Frauen existierten offiziell gar nicht. Neben dem Serienmörder-Thema findet Ellory auch Zeit, sich mit den Untrieben der CIA in Nicaragua zu beschäftigen. Reichlich Lob gab es für diesen Roman und es bleiben dem Leser nur 669 Seiten, um zu überprüfen, ob das gerechtfertigt ist.

Da draußen
Homepage von R. J. Ellory
The Ellory Journal – Das Blog von R. J. Ellory

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Das tägliche Drama | Folge 2

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Lazy on a sunny afternoon.

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Guido Rohm hat einen älteren Text über eine Begegnung mit Sherlock Holmes ausgegraben, in dem er sich mit dem Meister über Pierre Bayards Studie „Freispruch für den Hund der Baskervilles“ unterhält. Leseempfehlung.

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Eine ausführliche Kommentierung der aktuellen KrimiWelt-Bestenliste findet sich bei weltexpress.info. Das lasse ich dann mal unkommentiert.

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„Werden Sie Besser-Wisser“ wirbt das Nachrichtenportal „news.de“ für sein Produkt. Ob man das auch nach der Lektüre von Christian Vocks Artikel über den Film „Das Leck“ nach Henning Mankell (am Sonntag im Ersten) behaupten kann, wage ich mal zu bezweifeln.

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Damit raus aus den Niederungen deutscher Krimitrivialität, rein in die weite Welt. Beim Blog „The Rap Sheet“ erinnert man in der beliebten Kolumne „The Book You Have To Read“ an den Roman „Diva“ von Daniel Odier alias Delacorta, der die Vorlage für den gleichnamigen Neon-Klassiker der 1980er Jahre lieferte. Hier die berühmte Arie aus dem Film:

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R.I.P.: Bei Crimespee Cinema lesen wir, dass der Schauspieler James Gammon im Alter von 70 Jahren gestorben ist. Ein Nachruf findet sich auch bei der L.A. Times.

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Zurück zu den Lebenden. Beim Neuseeländischen Krimiblog „Crime Watch“ hat man die Leser darüber abstimmen lassen, wer in Großbritannien den diesjährigen„Theakston’s Old Peculier Crime Novel of the Year Award“ gewinnen soll. Das Ergebnis aus Neuseeland kann man hier nachlesen, wer den Preis wirklich abräumt, werden wir wohl im Lauf der kommenden Woche erfahren.

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Lesebefehle scheinen ja der neue Trend unter Krimilesern zu sein. „Los, Du Sau, lies!“ Auf mich wirkt das etwas befremdlich. Zum Beispiel, wenn ein Sammelband mit Leseempfehlungen, äh Leseanweisungen „Thrillers: The 100 Must-Reads“ heißt. David Morrell und Hank Wagner haben das Buch zusammengestellt, eine eher skeptische Besprechung von Michael Dirda findet sich in der Washington Post.

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Kommen wir zu den eher heiteren Dingen. Lustigen Seiten im Internet zum Beispiel. Da gibt es eine Seite, die es zur Aufgabe gemacht hat, „Detective Fiction on Stamps“, also Krimis auf Briefmarken, zu sammeln und ins Netz zu stellen. Eine Unterrubrik bildet der „Philatelic Sherlock Holmes“. Wenn das mal kein Anreiz ist, wieder mehr Briefe zu schreiben.

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Schönes Restwochenen.de

Bildquelle: Jochen Seelhammer – Fotolia.com

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Brief an Michael Kelly, Privatdetektiv, Chicago

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Winterberg, im März 2010

Sehr geehrter Mr. Kelly,

zunächst möchte ich Ihnen mein Beileid zum Tode ihrer langjährigen Freundin Nicole aussprechen. Ihre Ermordung, deren Zeuge ich während der Lektüre Ihres ersten Falles „Preis der Schuld“ wurde, hat mich gerührt, so wie mich auch die gesamte Lektüre überrascht hat. Versprachen doch Klappentext und Pressestimmen einen „Raymond Chander für das 21. Jahrhundert“, einen Privatdetektiv in der Tradition von Sam Spade und Philip Marlowe. Gewiss, diese Tradition will ich Ihnen nicht absprechen, schließlich sind Sie Privatdetektiv in Amerikas Windy City, dort, wo auch zum Beispiel ihr weiblicher Gegenpart V. I. Warshawski ihrem Job nachgeht. Dennoch sind Sie ein wenig anders: Sie lesen Aischylos und Homer, die griechische Mythologie mit ihren blutigen Fehden ist Ihnen nicht unbekannt. Selbstverständlich tauchte bei mir während der Lektüre ihrer Geschichte einmal mehr die Frage auf, inwieweit griechische Dramen und Epen immer auch schon Kriminalerzählungen sind und ob wir letztlich nicht immer wieder in der Kriminalliteratur diese Erzählformen durch deklinieren. Die Verknüpfung, die Ihr geistiger Vater Michael Harvey da herstellt, ist auf jeden Fall ein interessanter Ansatz.