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Buchtipp | Roberto Ampuero: Der letzte Tango des Salvador Allende

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Der letzte Tango des Salvador Allende Ungelesen, angelesen, quergelesen – Der Buchtipp des Tages | Roberto Ampuero: Der letzte Tango des Salvador Allende. – Aus dem Spanischen von Carsten Regling. – Berlin : Bloomsbury, 2013
ISBN 978-3-8270-1110-7

Originaltitel: El último tango de Salvador Allende. – 2011.

Vermutlich ist Der letzte Tango des Salvador Allende von Roberto Ampuero gar kein Krimi, deshalb fehlt der Begriff auch in der heutigen Vorstellung. Dennoch habe ich Ampuero als einen Krimischriftsteller kennengelernt: Seine beiden Romane um den Privatdetektiv Cayetano Brulé, Der Fall Neruda und Tod in der Atacama, die ich bisher kenne, sind solide, leicht verspielte Kriminalromane mit zeitgeschichtlichem Hintergrund.

In diesem Roman rückt Ampuero die letzten Tage des chilenischen Präsidenten Salvador Allende in den Mittelpunkt, die bereits in seinem Buch Der Fall Neruda beschrieben wurden. Der ehemalige CIA-Agent David Kurtz reist nach Chile, um dort den früheren Geliebten seiner verstorbenen Tochter zu finden. Das Tagebuch des Mannes, der in den letzten Monaten Salvador Allendes Koch und Freund war, soll ihn auf die Spur führen.

Das könnte ein eleganter, erzählerischer Trick sein, um die Tage des Umbruchs in dem zerissenen Chile lebendig werden zu lassen. Manche Elemente erinnern mich an den Fall für Brulé – die Suche nach einer unbekannten Person, die Reise des CIA-Agenten, Bezüge zu Deutschland – und möglicherweise hat Ampuero bestimmte Motive hier weitergesponnen. Als Krimi-Erzähler konnte mich Ampuero nicht immer überzeugen, möglicherweise ist dies beieinem „Nicht-Krimi“ anders? Auf den Lektürestapel.

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Brief an Cayetano Brulé, angehender Privatdetektiv, Valparaíso, Chile

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Niedersfeld, im März 2010

Sehr geehrter Señor Brulé,

vielen Dank für die abwechslungsreiche und atemberaubende Reise, die Sie in den gut 380 Seiten Ihrer Erzählung »Der Fall Neruda« zurückgelegt haben und auf die ich Sie lesend begleiten durfte. Von Valparaíso nach Mexiko-Stadt, Havanna, Ost-Berlin, Frankfurt am Main, La Paz, Santiago de Chile und immer wieder Valparaíso. Dies alles am Vorabend des Militärputschs in Chile im September 1973. Ich gestehe, dass ich aus meiner zeitlichen, räumlichen, ja und auch gesellschaftlichen Distanz zu Ihnen überrascht bin. All diese vielen Flugkilometer haben Sie zurückgelegt, um einem sterbenskranken Dichter einen letzten Wunsch zu erfüllen. Am Ende gehen Sie sogar dafür ins Gefängnis, denn während Sie nach einer verschwundenen Frau in all den fremden Städten suchten, spitzte sich die politische Lage in Chile zu. Kurz vor der Erfüllung Ihres Auftrags liegt der kranke Dichter im Sterben, wie der demokratische Sozialismus Salvadore Allendes. Der Totengräber Augusto Pinochet steht mit dem Spaten bereit. Am Tag des Putsches sind Sie auf einer Landstraße unterwegs, als Militärs Sie aufgreifen und mit vielen anderen in ein Gefängnis bringen. Tausende sind in jenen Tagen verschwunden und bis heute nicht wiedergekehrt. Sie hingegen hatten Glück, denn nach einigen Tagen wurden Sie wieder frei gelassen. Quälende Ungewissheit und viele offene Fragen müssen das bei all den vielen Angehörigen sein. Ungewissheit quälte auch Ihren kranken Dichter. War er bei einer seiner zahlreichen Liebschaften Vater geworden? Diese Frage sollten Sie, werter Señor Brulé, für ihn klären.