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Krimitipp | Malcolm Mackay: The Necessary Death of Lewis Winter

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The Necessary Death of Lewis WinterUngelesen, angelesen, quergelesen – Der Krimitipp des Tages | Malcolm Mackay: The Necessary Death of Lewis Winter. – London : Mantel, 2013. – ISBN 978-0-230-76620-4

Debütromane, die mir sofort auffallen und die dann im Gedächnis bleiben, sind selten. The Necessary Death of Lewis Winter von Malcom Mackay ist so ein Buch, das mir durch erste Kritiken auffiel und beim Durchblättern fesselte. Es ist eine schwarze Variation des Auftragskiller-Themas, im Mittelpunkt ein 29-jähriger, alleinstehender Mann, der in Glasgow lebt. Ein Auftragskiller, der William Somerset Maugham liest und von ihm fasziniert ist. Calum heißt der Mann und er erhält einen Anruf und einen Auftrag: Bring Lewis Winter um, einen kleinen Drogendealer, der offenbar das große Geschäft wittert und den Bossen einer kriminellen Bande in die Quere kommt.

Gelobt wurde Autor Malcom Mackay, der gerade mal 30 Jahre alt ist, für seine coole, nüchterne Sprache, für seine tristen Bilder aus Glasgow, für seinen originellen Plot. Da spring ich als Krimiblogger natürlich sofort drauf an – und die ersten Sätze verheißen gute, schwarze Krimilektüre. Lesen!

» It starts with a telephone call. Casual, chatty, friendly, no business. You arrange to meet, neutral venue, preferably public. You have to be careful, regardless of the caller, regardless of the meeting place. Every eventuality planned for, nothing taken for granted. Tempting to begin to trust; tempting, but wrong.«
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Cornell Woolrich: I Married A Dead Man – S. 870 – 871

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»She’d never cared much for fiction, somehow. Something about it made her lightly uncomfortable, perhaps a reminder of the drama in her own life. She liked things (her mind expressed it) that had really happend. Really happened, but long ago and far away, to someone entirely else, someone that never could be confused with herself. In the case of a fictional character, you soon, involuntarily, began identifying yourself with him or her. In the case of a character who had once been an actual living personage, you did not. You sympathized objectively, but it ended there. It was always, from first to last, someone else. Because it had once, in reality, been someone else. (Escape, they would have called this, though in her case it was the reverse of what it was for others. They escaped from humdrum reality into fictional drama. She escaped from too much personal drama into a reality of the past.)«

Cornell Woolrich: I Married A Dead Man – S. 870 – 871

Aus: Cornell Woolrich: I Married A Dead Man . – Enthalten in: Crime Novels: American Noir of the 1930s & 40s . – New York : The Library of America, 1997. – ISBN 978-1-883011-46-8

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Cornell Woolrich: I Married A Dead Man – S. 806

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»She was like a doll propped upright in its gift-box, and with one side of the box left off, to allow the contents to be seen. A worn doll. A leftover, marked-down doll, with no bright ribbons or tissue wrappings. A doll with no donor and no recipient. A doll no one bothered to claim.«

Cornell Woolrich: I Married A Dead Man – S. 806

Aus: Cornell Woolrich: I Married A Dead Man . – Enthalten in: Crime Novels: American Noir of the 1930s & 40s . – New York : The Library of America, 1997. – ISBN 978-1-883011-46-8

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Lektürenotizen | William Lindsay Gresham: Nightmare Alley

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Fesche 50+ Wochen, Nazis und diverse soziale Aktivitäten sorgen für die Peinlichkeit des Bibliomanen. So geht das nicht, mit dem Lesen und dem Leben und dem Leserleben. Ich fordere sofortige und lebenslängliche Einzelhaft für mich, besonders nach der schleppenden Lektüre von Nightmare Alley des US-amerikanischen Autors William Lindsay Gresham. Yo, ich weiß, gibt es verfilmt (Der Scharlatan) und wie immer kenne ich die Verfilmung nicht. Aber dieses Buch! So viel Depression war lange nicht mehr in meinem Leben und ich muss dabei auch immer ein Stück auf mich selbst achten. Das zieht, runter, tief, schwarz.

»Doree had found the end of the alley. What had she been running from that made her slice at her veins? Nightmare coming closer. What force inside her head, under the taffy-colored hair, pushed her into this?

William Lindsay Gresham: Nightmare Alley – S. 705
Zitiert aus Crime Novels: American Noir of the 1930s & 40s

Gresham ist ein weiterer dieser fast vergessenen Autoren, Opfer der Depression – der frühen wie der aktuellen. Immerhin: Vor zwei Jahren wurde Nightmare Alley wiederveröffentlicht, eine deutsche Übersetzung ist mir nicht bekannt. Gresham erfindet eine Welt, die uns so fremd erscheint, so fern. Es ist die Welt der Carnies, eine Mischung aus Zirkus und Jahrmarkt, die ungeschliffene, brutale Form der Unterhaltung. Bei Gresham lernt man, was es mit dem Ausruf „Hey, Rube!“ auf sich hat und was ein Geek wirklich ist. Mit dieser Definition hat das überhaupt nichts zu tun.

Ein Blick hinter den Vorhang des amerikanischen Showbusiness in seiner ursprünglichsten, ländlichsten und menschenverachtensten Form. Und darin also erlebt der sagenhafte Stan Carlisle seinen ganz persönlichen Aufstieg bis hin zum schummelnden und betrügenden Priester sowie der Absturz und das Ende als Geek. Jahrmarkt der Eitelkeiten auf die ganz schaurige Art. Die oben zitierte Szene spielt übrigens im Leichenkeller eines Krankenhauses.

Nach solchen Romanen fällt es mir immer wieder besonders schwer, auf diese zum großen Teil dümmlich-dümpelnde aktuelle Krimiproduktion umzuschwenken (ja, ich weiß, es gibt Ausnahmen). Tatsächlich ist Nightmare Alley für mich einer der besten Romane, die ich seit längerer Zeit gelesen habe. Präzise getextet, prägnante Bilder, die mich nicht los lassen, faszinierend und abstoßend. Ein Schausteller-Roman, der zur Schau stellt, nicht mit voyoristischer Intention, sondern zur Aufklärung. So könnte Kriminalliteratur sein.

Am Ende der – entschuldigen Sie die blumig-platte Übersetzung, aber bei dem Grauen muss ich mich irgendwohin retten, und wenn es ins dämliche Wortspiel ist – Alptraum-Allee bleibt nichts. Die Gewissheit, dass ich selbst da auch irgendwann sein werde. Jeder von uns. Bis dahin bleibt die Flucht in die Literatur. Denn die Realität gehört schon längst verboten.

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William Lindsay Gresham: Nightmare Alley – S. 557 – 558

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»Evansburg, Morristown, Linklater, Cooley Mills, Ocheketawney, Bale City, Boeotia, Sanders Fall, Newbridge.
  Coming: Ackerman-Zorbaugh Monster Shows. Auspices Tall Cedars of Zion, Caldwell Community Chest, Pioneer Daughters of Clay County, Kallakie Volunteer Fire Department, Loyal Order of Bison.
  Dust when it was dry. Mud when it was rainy. Swearing, steaming, sweating, scheming, bribing, bellowing, cheating, the carny went its way. It came like a pillar of fire by night, bringing excitement and new things into the drowny towns — lights and noise and the chance to win an Indian blanket, to ride on the ferris wheel, to see the wild man who fondles those rep-tiles as a mother would foundle her babes. Then it vanished in the night, leaving a trodden grass of the field and the debris of popcorn boxes and rusting tin ice-cream spoons to show where it had been.«

William Lindsay Gresham: Nightmare Alley – S. 557 – 558

Aus: William Lindsay Gresham: Nightmare Alley . – Enthalten in: Crime Novels: American Noir of the 1930s & 40s . – New York : The Library of America, 1997. – ISBN 978-1-883011-46-8