Alle Artikel mit dem Schlagwort ‘Guido Rohm

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Sommerflaute: Die Krimiblog-Konferenz am Samstag, den 13. Juli 2013

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Krimiautoren sind gar merkwürdige Gesellen: Der eine will uns das Bücherreiten madigmachen. Der andere öffnet sein Tagebuch und gibt uns quälende Einblicke in das Leben eines Verfassers von Verbrechensliteratur. Doch unbarmherziger als Autoren wie Guido Rohm oder Dieter Paul Rudolph sind die Kritiker. Was uns da zu Ohren gekommen ist, könnte bestimmt die Verbraucherzentralen beschäftigen. – Und damit herzlich willkommen im allwöchentlichen Wahnsinn der Unterhaltungsindustrie »Krimi« und bei der Krimiblog-Konferenz. Wir schalten durch die angeschossenen, äh, angeschlossenen Blogs. Krimi-Depeschen, bitte melden!

»Sie erwischen uns von den Krimi-Depeschen mitten im tiefen, dunklen Sommerloch. Der kriminalliterarische Betrieb scheint in die Sommerferien entschwunden zu sein, dennoch gibt es für die Krimiblog-Konferenz die eine oder andere Meldung. Blicken wir nach England, wo passenderweise eine Biermarke (oder das, was man in England für Bier hält) ein Krimifestival sponsort. Theakstons Old Peculier Crime Writing Festival heißt das Ding und findet in Harrogate statt. Drumherum gibt es viel Material über Krimis, zum Beispiel eine kurzweilige Masterclass für angehende Krimiautoren mit so Haudegen wie dem guten Jo Nesbø. Tja, England, Du hast es doch besser.

Wobei es dort auch unschöne Vorfälle gibt. Erschrocken hat uns der Angriff auf Val McDermid, der dann auch im britischen Feuilleton aufbereitet wird. Ob solche Texte sinnvoll sind oder ein solches inakzetables Verhalten befördern – lesen und urteilen Sie selbst. Und damit weiter zu unseren Facebook-Freunden.«

»Sommerflaute auch hier bei Facebook. Genau die richtige Zeit für Verräter und Spione und das neue Buch von Charlie Huston, der sich seine eigenen Gedanken über den Fall Edward Snowden macht. Mehr Sommerlaune kommt da schon mit dem guten Wolf Haas auf, der Auszüge aus seinen herrlichen Brenner-Krimis auf Englisch vorträgt. Feinstes CrimeCandy! Das schauen wir uns jetzt nochmal an und rufen deshalb unsere Freunde bei Google+.«

»Hier ist Google+ in der Krimiblog-Konferenz, Ihr zuverlässiges Netzwerk für die wirklich wichtigen Dinge. Dazu gehört sicher der neckische Schabernack, den ein gewisser A.D. Harvey mit Hilfe von Charles Dickens und Fjodor Michailowitsch Dostojewski den Literaturwissenschaftlern gespielt hat. Ach, wenn Literaturwissenschaft doch öfters so unterhaltsam wäre! Außerdem bei uns: ein Geisterjäger, geordnete Blogdepeschen und ein Affe. Grandioses Sommerwochende und damit weiter zu den guten Geistern bei Twitter. «

»Wir bei Twitter sagen nichts, wir lassen sagen. Hier sind unsere Tweets der Woche:

Noch Fragen? Dann verweisen wir jetzt in der Krimiblog-Konferenz an die Tumbler bei Tage des Lesens.«


»Guten Tag, hier sind die Tage des Lesens. Wir erhielten in dieser Woche die 10 Songs für die Leichenschmaus-Party des Krimi-Depeschen-Dienststellenleiters (aka Krimiblogger). Man muss schließlich vorbereitet sein, weiß man doch nicht, was man sich so alles einfängt.

Lyrik, zum Beispiel, kann gefährlich sein:

Lyrik in der Krimiblog-Konferenz

Doch auch Kurzgeschichten sind nicht ohne:
Kurzgeschichten in der Krimiblog-Konferenz

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit und nehmen Sie sich in Acht vor gefährlichen Büchern!«

Ja, eine wichtige Warnung, die wir alle bei unseren Streifzügen durch Bibliotheken, Buchhandlungen und Leseecken beherzigen wollen. Das Böse unter der Sonne ist überall und deshalb: Passen Sie auf sich auf! Das war die Krimiblog-Konferenz für diese Woche. Wenn uns keine heimtückische Krankheit darnieder wirft, sind wir nächste Woche wieder für Sie da.

Bleiben Sie uns gewogen!

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Verschworene Verräter: Die Krimiblog-Konferenz am Samstag, den 29. Juni 2013

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Paradoxien dieser Tage: Ausgespähte Mysterien, geflüchtete Spione, Datensammler und Geheimnisskrämer – soviel Verrat und Verschwörung war schon lange nicht mehr. Auch wir verraten wieder ganz viel, nämlich was in den letzten Wochen wichtig war im kriminalliterarischen Bereich. Willkommen zur Krimiblog-Konferenz am Samstag – denn jeder Tag ist Krimitag. Und damit schalten wir munter durch die angeschlossenen Blogs. Attraktionen, bitte kommen.

»Um ein Rätsel ging es in der vergangenen Woche hier bei den Attraktionen. Herrschaften, Herrschaften, wir stellen Ihnen den neuen Rätselkrimi von Guido Rohm vor. Und gestehen dabei so einiges. Lesen Sie doch mal rein! Und wenn nicht, dann schauen Sie mal bei den Krimi-Depeschen vorbei.«

»Guten Tag, hier sind die Krimi-Depeschen in der Krimiblog-Konferenz am Samstag. Tatsächlich breitet sich das Sommerloch auch in der kriminalliterarischen Welt bräsig aus. Immerhin konnten auch wir ein Geheimnis aufdecken: Eine Liste mit den besten zehn Spionageromanen. Sie stammt von Rhodri Jeffreys-Jones und gibt Ihnen möglicherweise noch die eine oder andere Anregung zum Ausfüllen Ihres Lese-Sommer-Lochs. Wir lesen weiter und geben ab an unsere Facebook-Freunde.«

»Bei Facebook gibt es keine Geheimnisse. Für Facebook und die NSA. Zum Beispiel – und das wissen Sie natürlich auch schon längst – ist Freitag immer Krimiblog-Tag. Und wie immer haben wir die aktuellesten Meldungen aus den Krimiblogs zusammengetragen. Außerdem konnten wir uns nicht satt sehen an einem kurzen Videoportrait über Joyce Carol Oates. Weil wir das jetzt nochmal gucken, geben wir ab an Google +«

»Hinschauen ist auch für uns bei Google+ in der Krimiblog-Konferenz angesagt. Reinschauen etwa in das neue Buch Difficult Men: Behind the Scenes of a Creative Revolution: From ‘The Sopranos’ and ‘The Wire’ to ‘Mad Men’ and ‘Breaking Bad von Brett Martin, worin dem TV goldene Zeiten vorhergesagt werden. Als Betroffene können wir nur hoffen. Und natürlich gibt es auch jede Menge Internet-TV. Etwa ein Interview mit Meister Walter Mosley zu seinem neuen Roman Little Green. Schauen Sie rein, wir schauen derweil herüber zu Twitter.«

»Kein großes Geheimnis in der Krimiblog-Konferenz bei Twitter – let the tweet tell the story:

Soweit eine feine Auswahl an Tweets, feine Bilder gibt es bei Tage des Lesens, oder?«

»Wir bei Tage des Lesens schweigen mit diesem Buchcover und erinnern uns an James Gandolfini.
Difficult Men in der Krimiblog-Konferenz

…«

Vielen Dank an alle Plauderer und Auspacker. Das war sie auch schon wieder, die wunderbare Krimiblog-Konferenz am Samstag. Ihnen ein sommerliches Wochenende und wenn Sie mögen und nichts dazwischen kommt, enthüllen wir auch nächsten Samstag wieder das eine oder andere Geheimnis. Bis dahin: Bleiben Sie uns bitte gewogen!

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Guido Rohm: Die Sorgen der Killer – S. 53

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»Nein, die Augen sind nicht traurig. Jetzt versteht er diese Augen. Das sind wissende Augen, denkt er. Die haben in die Leere geblickt. Haben das Nichts gesehen. Wissende Augen.«

Guido Rohm: Im Schloss. – S. 53

Aus: Guido Rohm: Die Sorgen der Killer : Crime Stories. – Berlin: Kulturmaschinen Verlag, 2012. – ISBN: 978-3-940274-39-7

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Willkommen auf der Meta-Ebene

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Blut ist ein Fluss
Guido Rohm: Blut ist ein Fluss

Das Dauergekreische der Kritiker nach “Realismus“ im Kriminalroman kotzt mich an. Wenn ich Realismus will, geh‘ ich auf die Straße, laufe durchs Einkaufszentrum, fahre nach Hamburg-Neuwiedenthal oder hocke mich für einen Tag in den Warteraum der ARGE. Soviel Realismus erträgt keiner, erst recht nicht die Sesselpupser aus den maroden Feuilletonbruchbuden. Das immer mehr Autoren und Autorinnen dem Ruf der kritisierenden Kaste folgen und dabei in die Kolportagefalle tapsen, ist das Problem dieser Tölpel. Erfrischend hingegen, wenn es Autoren gibt, die auf diese ganze Realismus-Kacke pfeifen und sich – frei nach Pippi Langstrumpf – ihre Welt so machen, wie sie ihnen gefällt. Dafür sind sie schließlich Schriftsteller geworden.

Wieviel Pippi Langstrumpf in Guido Rohm steckt, kann ich nicht beurteilen. Gewieft aber, dass er sich in seinem Roman “Blut ist ein Fluss“ eine reale Figur erschaffen hat, seinen Schriftstellerkollegen Tom Torn, der unter anderem durch seine Romane „Jenseitsmusik“und „Der gute Polizist“ Kultcharakter erlangt hat, jedenfalls, wenn es nach seinem deutschen Verlag geht. Das Problem: Die Realismus-Junkies aus den Kulturghettos sind mit so viel kunstvoller Roman-Realität überfordert, weshalb sie das Buch von Guido Rohm erst gar nicht angefasst haben. Solche Meta-Romane – denn darum handelt es sich bei “Blut ist ein Fluss“ – sind vermutlich zu fiktiv, zu unrealistisch, zu postmodern. Dabei beginnt Rohms Roman mit einer eleganten und klugen Betrachtung über den Wirtschaftszweig Kriminalität, die eigentlich jeder Krimikritiker gelesen haben sollte. Ein verurteilter Mörder sinniert darin über diejenigen nach, die mit Verbrechen ihre Brötchen verdienen – und das sind auch Krimi-Kritiker.

Reaktionäres Arschloch

Ein Prolog, der den Leser anschließend in kleines US-amerikanisches Kaff am Fluss katapultiert, in dem ein Serienmörder Schlachtfest feiert. Geschrieben wird diese Geschichte von eben jenem Tom Torn, einem saufenden und fickenden Literaturmonster. Seine Motive und Bilder, die Torn entstehen lässt, sind alte Bekannte: eine einsame Gegend (ich würde auf die Südstaaten tippen), eine Scheinidylle, kaputte Familienverhältnisse, häusliche Gewalt, derbe amerikanische Landbevölkerung. All das sind Referenzen, die von Mark Twain über Jim Thompson hin bis zu Joe R. Lansdale reichen. Und James Ellroy, dessen wirre Verschwörungsorgie “Blut will fließen“ erst kürzlich dafür sorgte, dass den Herrschaften der Kritiker-Zunft einer nach dem anderen abging. Die alten Männer kriegen schon einen Ständer, wenn sie nur Kennedy, Hoover, Nixon und CIA lesen. Eine Randbemerkung, die dennoch erwähnt werden soll, da sich Rohms Roman-Titel “Blut ist ein Fluss“ auch als ein elegant platzierter Seitenhieb auf Ellroys letzten, arg dämlichen Titel lesen lässt.

Zurück zu Tom Torn, der seine Geschichte vom Serienkiller, der natürlich der örtliche, brave Bulle ist, quasi vor den Augen des Lesers nieder schmiert. Das nennt man dann wohl die Meta-Ebene, auf der nicht nur über das Schreiben von Kriminalromanen gegrübelt, sondern vor allem der widerliche Literaturbetrieb – ein Hort des Verbrechens – entblößt wird. Das Tom Torn dabei als reaktionäres und arrogantes Arschloch so manchen Sympathiepunkt einfährt, wundert nicht wirklich. So entwickelt sich eine faszinierende Parallelhandlung – düstere Krimihandlung hier, finsteres Autorendasein dort – die einem minderbegabten Krimiautor leicht entgleiten könnte, bei Guido Rohm, der über ein außerordentliches Gespür für Zeit und Dramatik verfügt, jedoch bestens aufgehoben ist und auf allerfeinste Art verwoben wird.

“Blut ist ein Fluss“ ist einer der wenigen, gelungenen Meta-Kriminalromane, der in seiner ganzen Dunkelheit ein echter Lichtblick in dem tristen Allerlei der derzeitigen Produktion darstellt. Rohms Entdeckung von Tom Torn ist ein wertvoller Fund für jene deutschsprachige Kriminalliteratur, die mehr will, als albernes Regiogedöns oder nervtötendes Psycho-Geschwafel. Als Autor ganz seiner Fiktion verpflichtet, hat Rohm zudem einen echten Internet-Roman geschrieben – auch wenn dies nicht gleich für jeden erkennbar sein dürfte. Kurz: Hier darf ich nach Herzenslust Leser sein, weil Rohm ein wahrhaftiger Autor ist, der alle möglichen Formen der Literatur nutzt. Er ist nicht einer dieser Schriftstellerdarsteller, auf den die Feuilletonisten so gerne reinfallen.

Guido Rohm : Blut ist ein Fluss : Roman. – Frankfurt am Main : Seeling Verlag, 2010
ISBN 978-3-938973-12-7. – Preis: 12 €
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Da draußen
Aus der Pathologie – Blog von Guido Rohm
Tom Torn bei den Stray Dogs
Fanseite über Tom Torn