Alle Artikel mit dem Schlagwort ‘Crime Novels

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Cornell Woolrich: I Married A Dead Man – S. 870 – 871

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»She’d never cared much for fiction, somehow. Something about it made her lightly uncomfortable, perhaps a reminder of the drama in her own life. She liked things (her mind expressed it) that had really happend. Really happened, but long ago and far away, to someone entirely else, someone that never could be confused with herself. In the case of a fictional character, you soon, involuntarily, began identifying yourself with him or her. In the case of a character who had once been an actual living personage, you did not. You sympathized objectively, but it ended there. It was always, from first to last, someone else. Because it had once, in reality, been someone else. (Escape, they would have called this, though in her case it was the reverse of what it was for others. They escaped from humdrum reality into fictional drama. She escaped from too much personal drama into a reality of the past.)«

Cornell Woolrich: I Married A Dead Man – S. 870 – 871

Aus: Cornell Woolrich: I Married A Dead Man . – Enthalten in: Crime Novels: American Noir of the 1930s & 40s . – New York : The Library of America, 1997. – ISBN 978-1-883011-46-8

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Cornell Woolrich: I Married A Dead Man – S. 806

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»She was like a doll propped upright in its gift-box, and with one side of the box left off, to allow the contents to be seen. A worn doll. A leftover, marked-down doll, with no bright ribbons or tissue wrappings. A doll with no donor and no recipient. A doll no one bothered to claim.«

Cornell Woolrich: I Married A Dead Man – S. 806

Aus: Cornell Woolrich: I Married A Dead Man . – Enthalten in: Crime Novels: American Noir of the 1930s & 40s . – New York : The Library of America, 1997. – ISBN 978-1-883011-46-8

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Lektürenotizen | William Lindsay Gresham: Nightmare Alley

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Fesche 50+ Wochen, Nazis und diverse soziale Aktivitäten sorgen für die Peinlichkeit des Bibliomanen. So geht das nicht, mit dem Lesen und dem Leben und dem Leserleben. Ich fordere sofortige und lebenslängliche Einzelhaft für mich, besonders nach der schleppenden Lektüre von Nightmare Alley des US-amerikanischen Autors William Lindsay Gresham. Yo, ich weiß, gibt es verfilmt (Der Scharlatan) und wie immer kenne ich die Verfilmung nicht. Aber dieses Buch! So viel Depression war lange nicht mehr in meinem Leben und ich muss dabei auch immer ein Stück auf mich selbst achten. Das zieht, runter, tief, schwarz.

»Doree had found the end of the alley. What had she been running from that made her slice at her veins? Nightmare coming closer. What force inside her head, under the taffy-colored hair, pushed her into this?

William Lindsay Gresham: Nightmare Alley – S. 705
Zitiert aus Crime Novels: American Noir of the 1930s & 40s

Gresham ist ein weiterer dieser fast vergessenen Autoren, Opfer der Depression – der frühen wie der aktuellen. Immerhin: Vor zwei Jahren wurde Nightmare Alley wiederveröffentlicht, eine deutsche Übersetzung ist mir nicht bekannt. Gresham erfindet eine Welt, die uns so fremd erscheint, so fern. Es ist die Welt der Carnies, eine Mischung aus Zirkus und Jahrmarkt, die ungeschliffene, brutale Form der Unterhaltung. Bei Gresham lernt man, was es mit dem Ausruf “Hey, Rube!” auf sich hat und was ein Geek wirklich ist. Mit dieser Definition hat das überhaupt nichts zu tun.

Ein Blick hinter den Vorhang des amerikanischen Showbusiness in seiner ursprünglichsten, ländlichsten und menschenverachtensten Form. Und darin also erlebt der sagenhafte Stan Carlisle seinen ganz persönlichen Aufstieg bis hin zum schummelnden und betrügenden Priester sowie der Absturz und das Ende als Geek. Jahrmarkt der Eitelkeiten auf die ganz schaurige Art. Die oben zitierte Szene spielt übrigens im Leichenkeller eines Krankenhauses.

Nach solchen Romanen fällt es mir immer wieder besonders schwer, auf diese zum großen Teil dümmlich-dümpelnde aktuelle Krimiproduktion umzuschwenken (ja, ich weiß, es gibt Ausnahmen). Tatsächlich ist Nightmare Alley für mich einer der besten Romane, die ich seit längerer Zeit gelesen habe. Präzise getextet, prägnante Bilder, die mich nicht los lassen, faszinierend und abstoßend. Ein Schausteller-Roman, der zur Schau stellt, nicht mit voyoristischer Intention, sondern zur Aufklärung. So könnte Kriminalliteratur sein.

Am Ende der – entschuldigen Sie die blumig-platte Übersetzung, aber bei dem Grauen muss ich mich irgendwohin retten, und wenn es ins dämliche Wortspiel ist – Alptraum-Allee bleibt nichts. Die Gewissheit, dass ich selbst da auch irgendwann sein werde. Jeder von uns. Bis dahin bleibt die Flucht in die Literatur. Denn die Realität gehört schon längst verboten.

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William Lindsay Gresham: Nightmare Alley – S. 557 – 558

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»Evansburg, Morristown, Linklater, Cooley Mills, Ocheketawney, Bale City, Boeotia, Sanders Fall, Newbridge.
  Coming: Ackerman-Zorbaugh Monster Shows. Auspices Tall Cedars of Zion, Caldwell Community Chest, Pioneer Daughters of Clay County, Kallakie Volunteer Fire Department, Loyal Order of Bison.
  Dust when it was dry. Mud when it was rainy. Swearing, steaming, sweating, scheming, bribing, bellowing, cheating, the carny went its way. It came like a pillar of fire by night, bringing excitement and new things into the drowny towns — lights and noise and the chance to win an Indian blanket, to ride on the ferris wheel, to see the wild man who fondles those rep-tiles as a mother would foundle her babes. Then it vanished in the night, leaving a trodden grass of the field and the debris of popcorn boxes and rusting tin ice-cream spoons to show where it had been.«

William Lindsay Gresham: Nightmare Alley – S. 557 – 558

Aus: William Lindsay Gresham: Nightmare Alley . – Enthalten in: Crime Novels: American Noir of the 1930s & 40s . – New York : The Library of America, 1997. – ISBN 978-1-883011-46-8

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Lektürenotizen | Anderson & Fearing

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Andersons Diebe fesseln mich dann doch. Die Lektüre von Thieves Like Us ist holprig, was womöglich aber auch an der Slang-Barriere liegt. Dafür gibt es diese knallguten, ersten Sätze, mit denen Edward Anderson seine Kapitel eröffnet, und seine lakonischen Ortsbeschreibungen lesen sich ebenfall wie Butter. Als passendes Bühnenbild zur Liebesgeschichte zwischen Bankräuber Bowie und Gangsterbraut Keechie entwirft Anderson eine fabelhafte Gangster-Idylle.

»The back yard of Welcome Inn had the width of an alley and then a fence of barbed wire and beyond that was ranch land, sage-grass and broomweed; far-reaching woods of green, pollen-blowing cedars and gray-trunked scrub-oaks. In it, long-horned, white-faced cattle grazed and sometimes one would come to their fence and nose in the rusty iron drum of burned cans and garbage. Once, Keechie had seen a doe and she called Bowie, but when he got to the back door, it was gone. Away to the south, beyond the woods, the Hills embossed the sky in a great, crawling circle. This evening, the sinking sun had flushed the horizon to a pretty pink like Keechie’s underthings.«
Edward Anderson: Thieves Like Us – S. 316
Zitiert aus Crime Novels: American Noir of the 1930s & 40s

Klare Vorlage für einen Film. Der Roman wurde dann auch wohl mindestens zweimal verfilmt, wie man dem ausführlichen, zweiteiligen Porträt über Edward Anderson von Woody Haut entnehmen kann. An dieser Stelle herzlichen Dank an Thomas Klingenmaier (Killer & Co) für den Hinweis auf dieses Porträt.

Eine Gangstergeschichte mit Kapitalismuskritik. Die rutscht bei Anderson so durch und man könnte sie, wenn man sich arg auf die Entwicklung der drei Bankräuber konzentriert, fast aus den Augen verlieren. Nein, das ist nicht plakativ, sondern unterstreichend zu dem Realismus, den Anderson da auffährt. Alles in allem sehr geerdet, nah, schlicht und doch gut.

Wesentlich hysterischer, aufschäumender und künstlicher ist da Kenneth Fearings The Big Clock. Weg vom Land, rein in die überdrehte Welt der New Yorker Zeitungsmacher und Medienmogule. Die Geschichte von George Stroud, der eine Affäre mit Pauline Delos beginnt. Sie ist die Frau seines Chefs, dem Verlagsboss Earl Janoth. Nach einem Rendevouz an einem Sammstagabend bringt George Pauline zu ihrer Wohnung und beobachtet, wie ihr Ehemann das Haus betritt. Kurze Zeit später ist Pauline tot, erschlagen von ihrem wütenden Mann, dem sie im Streit vorgeworfen hatte, er habe eine homosexuelle Affäre mit seinem besten Kumpel Steve. George ist klar, dass Earl seine Frau getötet hat – doch hat Earl auch ihn vor der Tür gesehen?

Eine raffinierte Jagd nach dem Augenzeugen George beginnt, arrangiert und orchestral durchgeführt von einer großen Zeitungsredaktion, geleitet von George und Steve. Wunderbarer Plot, gut ausgedacht, verstärkt durch die wechselnden Perspektiven der erzählenden Charaktere. Dazu als bunte Beimischung eine durchgeknallte Malerin, deren Werk George sammelt und das ihn auf verschlungene Weise mit dem Mord in Verbindung bringen könnte. Weiterhin enthalten: bissige Medienkritik, Einblicke in die New Yorker Verlagslandschaft und enttäuschte Journalie. Ja, lesenswert! Wurde, wenn ich das richtig gesehen haben, leider bislang nie ins Deutsche übersetzt – schade.

Und damit zurück in den Lesegarten.

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Lektürenotizen | Cain, McCoy & Anderson

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Gegen die Übersäuerung der aktuellen Krimiproduktion helfen die alten Meister. Die sind basisch, geerdet und selbstverständlich schwarz. Die Library of America, ein “nonprofit publisher”, wie es auf dem Klappentext heißt, veröffentlicht wichtige Werke der US-amerikanischen Literatur und versucht, jedes Buch, das einmal in dieser Reihe erschienen ist, lieferbar zu halten. Reizvoll ist diese Bibliothek auch deshalb, weil hier neben Herman Melville, Henry James oder Gertrude Stein eben auch Autoren wie Philip K. Dick, Raymond Chandler und Dashiell Hammett vertreten sind. Zwei Bände Crime Novels bieten ausgewählte Romane des “American Noir”. Aus dem ersten Band habe ich gerade gelesen The Postman Always Rings Twice von James M. Cain. Die Verfilmungen habe ich Nicht-Kino-Geher natürlich nie gesehen, der Roman ist schon eine Wucht. Wenn es so etwas wie Männerprosa geben sollte, der Postman wäre sicher ein Kandidat dafür. Dichte Dichtung nenne ich das mal und der erste Satz “They threw me off the hay truck about noon” bekommt einen Ehrenplatz in meiner Sammlung der starken, ersten Sätze. Zehn starke Szenen aus dem Roman habe ich hier mal notiert.

Ebenfalls grandios, wenn auch stilstisch verspielter, ist They Shoot Horses, Don’t They von Horace McCoy. Depression und Marathon-Tanzwettbewerb, wenn das mal nicht meine Themen sind. Die Geschichte von der hysterischen, todessüchtigen Gloria und dem naiven Robert fesselt. Moderne Gladiatoren, dem Monster Show Business zum Opfer dargebracht. Die Erzählung an dem Urteilsspruch des Gerichts auszurichten ist eine einfache, aber sehr effektive Idee.

Sperriger ist der dritte Roman im ersten Sammelband. Thieves Like Us von Edward Anderson. Die Geschichte von drei Ausbrechern und Bankräubern wird im “Prision Slang” erzählt, ist im Orginal nicht immer leicht zu lesen. Da lernte ich dann, was ein “Square John” ist. Es holpert schon, da fehlt die sprachliche Eleganz, dennoch scheint der Roman – ich bin gerade etwa in der Mitte angelangt – ein scharfes Bild der ländlichen Gegenden in Texas und Oklahoma zu zeichnen. Zum Beispiel die trostlosen Orte, an denen Männer in Overalls nach Öl bohren. Und er fängt die Wirtschaftskrise gut ein – da kann man dann auch für heute noch was mitnehmen. Das Banker und Politiker “thieves like us” sind – bei Anderson stehts drin. Der Autor selbst scheint eine fragwürdige Persönlichkeit gewesen zu sein. Viel lässt sich im Netz nicht zu ihm finden, außer, dass er später wohl zu den extremen Rechten abgedriftet ist und ein arger Antisemit geworden ist. Die englischsprachige Wikipedia schweigt zu ihm.

Ich jetzt auch und gehe lesen.