Alle Artikel des Monats: März 2012

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Aus dem Tagebuch eines Netzarbeiters

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Als Netzarbeiter glaube ich übrigens, dass es nicht so sehr darauf ankommt, ob Du oft oder selten Texte ins Netz stellst, ob sie lang oder kurz sind, ob Du mit Bildern arbeitest, ob Du gut schreiben kannst oder nicht, ob Deine Rechtschreibung perfekt sitzt oder Du den einen oder anderen Schnitzer reinhaust. All dies sind Dinge, die mögen für Print wichtig sein, im Netz sind sie nachrangig. Entscheidend bist Du als Person, als authentische Stimme. Du musst sichtbar sein – in Deinem Text, in dem was Du da veröffentlichst. Auch ein Foto kann Deine Handschrift tragen, ein Podcast Deine Stimme zu Gehör bringen. Ganz wichtig und entscheidend ist es aber, dass Du es mit Liebe, mit Leidenschaft tust. Wer im Netz veröffentlicht, weil man nur im Netz veröffentlichen kann oder weil es ein Zwang ist, dem jeder nun nachkommen muss, der sollte es lieber lassen. Du musst das Netz lieben, die Möglichkeiten, die es Dir als Autor, als Publizist, als Blogger bietet. Und Du musst sie kennen, um zu wissen, welche Präsentation für Dich und Deine Texte, Deine Bilder, Deine Stimme am sinnvollsten sind.

Surfen, surfen, surfen

Es ist ein bisschen wie mit dem Lesen und dem Schreiben: Autoren geben als Antwort auf die Frage, wie man denn nun ein „guter“ Autor wird immer wieder die Antwort: lesen, lesen, lesen. Ähnlich ist es für uns Netzarbeiter: Wer im Netz veröffentlichen möchte, der sollte surfen, surfen, surfen. Das ist verdammt anstrengend, weil das Netz unendlich scheint, weil Du Dich verlieren kannst, weil Du einer permanenten Reizüberflutung ausgesetzt wirst. Aber Du wirst lernen, Dich darin zu bewegen, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden, und dabei dennoch immer wieder auf Abwege kommen – was gut ist. Doch nur so hast Du überhaupt eine Chance, im Netz als Autor zu bestehen. Das ist verdammt viel Arbeit – und es macht verdammt viel Spaß.

Was manche vergessen haben

Liebe das Netz und liebe die Menschen, für die Du schreibst. Schreibst Du nur für Dich, dann ist das völlig in Ordnung, aber rechne damit, dass man Dich nicht lieben wird, dass man Dich ignoriert, dass Du schlimmstenfalls Hass auf Dich ziehst. Denke bitte immer daran, dass auf der anderen Seite des Bildschirms ein Mensch sitzt, dem Du etwas mitteilen möchtest. Leider haben das viele Autoren, viele Journalisten, viele Fotografen vergessen. Sie sollten für andere Menschen schreiben, berichten und fotografieren und nicht für andere Autoren, Journalisten, Fotografen. Dafür gibt es andere Möglichkeiten. Freue Dich über jeden einzelnen neuen Leser, freue Dich über die, die immer wieder kommen und zeige Deine Freude mit freundlichen Kommentaren, mit freundlichen E-Mails und mit Texten, die andere verstehen und mögen können. Als Dank wirst Du Mitglied werden in diese wunderbare Gemeinschaft der Netzarbeiter, die an etwas bauen, dessen Dimensionen wir überhaupt noch nicht erkennen können. Ist das nicht wunderbar?

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Die erste Offenbarung des Bibliothekars

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»Wie alle Menschen der Bibliothek bin ich in meiner Jugend gereist; ich habe die Fahrt nach einem Buch angetreten, vielleicht dem Katalog der Kataloge; jetzt, da meine Augen kaum mehr entziffern können, was ich schreibe, bin ich im Begriff, nur ein paar Meilen von dem Sechseck, wo ich geboren ward, zu sterben.«

Jorge Luis Borges: Die Bibliothek von Babel

Jorge Luis Borges: Die zwei Labyrinthe : Lesebuch. Zusammengestellt von Andrea Wöhrle. – 2. Aufl. — München : dtv, 1988
ISBN 3-423-10590-9

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Literatur-Gespräche

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Aus dem Chatprotokoll der letzten Nacht

  • Leser: Hallo Literatur, wie geht es Dir?
  • Literatur: Fühle mich so ausgesprochen. War wieder in aller Munde. Leipzig und so.
  • Leser: Hab‘ mich schon gewundert, wo Du bist. Musste die ganze Zeit Fernsehen, was völlig beknackt ist.
  • Literatur: Da bin ich auch gewesen. Furchtbare Lackaffen. Wie geht’s Dir?
  • Leser: Hab‘ Dich vermisst.
  • Literatur: Lieb von Dir, bin jetzt wieder da. Noch was vor?
  • Leser: Ich geh‘ gleich mit einem Buch ins Bett. Schwuler Trash.
  • Literatur: Schmuddelkinder.
  • Leser: Wer jetzt?
  • Literatur: Deine Bücher. Kannst Du nicht mal was Anständiges lesen?
  • Leser: Wozu? Das Leben ist zu kurz für gute Bücher.
  • Literatur: Komm, spar‘ Dir diese Sprüche, den Blödsinn gab’s in Leipzig genug.
  • Leser: Sorry, kann ich verstehen. Aber bei mir war’s auch nicht besser. Musste von diesen scheiß Bildern leben. Das kotzt mich an.
  • Literatur: So schlimm wird’s wohl nicht sein. Ich schenk‘ Dir ein bisschen Kopfkino, wie wärs?
  • Leser: Willste mich anmachen, oder was?
  • Literatur: Schlag‘ Dein Buch auf….