Alle Artikel des Monats: März 2010

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Krimitipp | Pino Cacucci: Besser auf das Herz zielen

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Ungelesen, angelesen, quergelesen – Der Krimitipp des Tages Pino Cacucci: Besser auf das Herz zielen
Besser..
Pino Cacucci: Besser auf das Herz zielen : Roman / Aus dem Italienischen übersetzt von Andreas Löhrer. – Hamburg : Edition Nautilus, 2010
ISBN 978-3-89401-722-4 – Preis: 19,90 €

Bankräuber, Anarchist, Automechaniker, Gewerkschafter und Fahrer des Krimiautors Arthur Conan Doyle – all das war Jules Bonnot. Als Kopf der “Bonnot-Bande“ sorgte er Anfang des 20. Jahrhunderts in Frankreich für Aufsehen, unter anderem durch den ersten motorisierten Raubüberfall in der Geschichte. Der italienische Autor und Journalist Pino Cacucci hat dem Rebell ein literarisches Denkmal gesetzt, das bereits 1994 in Italien unter dem Titel “In ogni caso nessun rimorso“ erschienen ist und nun – nach 16 Jahren – in deutscher Übersetzung vorliegt. Cacucci legt in einen Vorwort sehr viel Wert darauf, dass sein Buch kein “historischer“ Roman sei:

Ein Roman, der auch nicht als “historisch“ bezeichnet werden kann, denn die Geschichte wird immer von den Siegern geschrieben, die Protagonisten der folgenden Seiten haben aber alles verloren: Kämpfe, Arbeit, Freude, Ideale, ihr Leben. Das Einzige, was sie bewahren konnten, ist ihre Würde.

Vermutlich keine Kriminalliteratur im klassischen Sinne, aber eine spannende Kriminalitätsgeschichte von unten.

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Krimitipp | Arne Blum: Saubande

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Ungelesen, angelesen, quergelesen – Der Krimitipp des Tages | Arne Blum: Saubande
Saubande
Arne Blum: Saubande : Ein Schweinekrimi. – München : Limes, 2010.
ISBN 978-3-8090-2575-7 – 17,95 €

Nach Katzen-, Hunde-, und Schafskrimis endlich ein Schweinekrimi. Ein ermordeter Künstler wird für die Sau Kim zur tierischen Herausforderung. Solche Tiergeschichten haben das Zeug zum Bestseller. Dafür wird das sympathische Schwein Kim schon sorgen. Und wer Edgar Allen Poe mit dem Satz zitiert: “Menschen sind senkrechte Schweine.“ kann nicht so falsch liegen. “Schweinchen Dick“ haben wir schließlich auch immer gerne geschaut.

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Krimitipp | Yishai Sarid: Limassol

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Yishai Sarid: Limassol

Limassol
Yishai Sarid: Limassol : Ein israelischer Ermittler zwischen allen Fronten
Aus dem Hebräischen von Helene Seidler. – Zürich : Kein & Aber, 2010
ISBN 978-3-0369-5554-4 – 16.90 €

Es ist ein bedrückendes Interview mit Yishai Sarid, das kürzlich bei sueddeutsche.de veröffentlicht wurde . Der Rechtsanwalt zeichnet ein ziemlich hoffnungsloses Bild seines Landes – und dies dürfte sich auch in seinem Politthriller “Limassol“ widerspiegeln. Ein israelischer Geheimagent zwischen Spionage und Liebe und das alles auf der geteilten Insel Zypern. Klingt vielversprechend, wie auch die schnörkellose Sprache, mit Sarid seinen Roman eröffnet:

“Ich blieb noch einen Moment im Auto sitzen, um einen Blick auf das alte Foto von ihr zu werfen und mir Here Comes the Sun zu Ende anzuhören. Harrison wird selten im Radio gespielt, und gute Morgenlieder wie dieses gibt es nur wenige.“

Agenten sollen töten: Interview mit Yishaid Sarid unter www.sueddeutsche.de

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Krimitipp | Pete Dexter: God’s Pocket

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Ungelesen, angelesen, quergelesen – Der Krimitipp des Tages | Pete Dexter: God’s Pocket

Pete Dexter: God’s Pocket
Aus dem Englischen von Jürgen Bürger und Kathrin Bielfeldt. – München : Liebeskind, 2010
ISBN 978-3-935890-70-0 – 22 €

Pete Dexter überzeugt mich immer wieder durch seine bildstarke und nüchterne Sprache. “God’s Pocket“ ist ein älterer Roman, der im Original schon 1983 erschienen ist. Sein deutscher Verlag feiert das Buch als “frühes Meisterwerk“ , das die Geschichte vom Mord an Leon Hubbard erzählt. Hubbard war ein Ekel und eigentlich sind alle froh über seinen Tod. Und doch gibt es zwei Menschen, die mehr über den Tod von Hubbard wissen möchten: Seine Mutter und ein versoffener Reporter. Ein tiefschwarzer Roman, mit einem tiefschwarzen Einstieg:

Leon Hubbard starb am ersten Montag im Mai zehn Minuten nach Beginn der Mittagspause auf der Baustelle der neuen einstöckigen Unfallstation des Holy Redeemer Hospitals in South Philadelphia. Auf die eine oder andere Art hätte er ohnehin seinen Job verloren.

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Krimitipp | Paco Ignacio Taibo II: Der Schatten des Schattens

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Ungelesen, angelesen, quergelesen – Der Krimitipp des Tages | Paco Ignacio Taibo II: Der Schatten des Schattens

Paco Ignacio Taibo II: Der Schatten des Schattens
Aus dem Spanischen von Harry Stürmer. – Berlin [u.a.] : Assoziation A, 2010
ISBN 978-3-935936-63-7. – 18 €

Lang erwartete Übersetzung des Romans “Sombra de la sombra.“ der bereits 1986 erschienen ist und die Geschichte von vier Freunden im nachrevolutionären Mexiko der 1920er Jahre erzählt. “Der Journalist Pioquinto Manterola, der Chinese Tomás Wong, der Dichter Fermín Valencia und der Anwalt Alberto Verdugo geraten durch Zufall einem Komplott von Armeegenerälen, Ölförderfirmen und US-Senatoren auf die Spur. Eine wilde Hetzjagd beginnt.“ heißt es im Klappentext. Realismus, Historie und Fantasie dürften hier eine spannende Verbindung eingehen, dazu ein ironischer, distanzierter Blick auf die Geschichte. Ach ja, und Domino wird auch gespielt.

Schöne Kapitelüberschriften wie “Kapitel 7 Journalismus als Broterwerb“ oder “Kapitel 19 In dem die Freunde Domino spielen und eine Botschaft des Erzengels Gabriel zu vernehmen meinen“.

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Krimitipp | Joan Schenkar: The Talented Miss Highsmith

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Ungelesen, angelesen, quergelesen – Der Krimitipp des Tages | Joan Schenkar: The Talented Miss Highsmith

Joan Schenkar: The Talented Miss Highsmith: The Secret Life and Serious Art of Patricia Highsmith
New York : St. Martin’s Press, 2009. – ISBN 978-0-312-30375-4 $40 (bei amazon.de für 26,73 €)

Vielversprechende Biographie, die vermutlich ein etwas nüchterneres Bild von „Pat“ entwirft, als es Andrew Wilson in seinem Buch „Beautiful Shadow“ getan hat. Wilsons Buch war – so habe ich es damals geschrieben – eine zwar beflissene Lebensbeschreibung, die aber unter anderem an seinem arg drögen Schreibstil scheiterte. Schenkar scheint hingegen eine klarere, härtere Sprache zu haben, soweit ich das nach einem ersten Durchblättern erkennen kann. Facettenreich sei Schenkars Biografie, sagten einige Kritker in den USA. Immerhin: Wer einen biografischen Abriss am Ende des fast 700 Seiten umfassenden Buches die Unterzeile „Patricia Highsmith: Cradle to grave“ gibt, hat bei mir schon mal einen Pluspunkt gesammelt. Einen weiteren für die „Charts, Maps, Diagrams, and Plans“, die es ebenfalls als Anhang gibt. Die ausführliche Lektüre wird mehr zeigen.

„She wasn’t nice.
She was rarley polite.
And no one who knew her well would have called her a generous woman.“

S. XIII / Note on Biography