Alle Artikel des Jahres: 2010

Artikel

Das tägliche Drama | Folge 9

2 Kommentare

Evil+++ Twitter off +++

Weihnachts- und Jahresendspurt. In den Blogs dieser Welt kehrt die Besinnlichkeit ein, Bilder von Weihnachtsbäumen, Weihnachtsgänsen, Weihnachts-…. (beliebig zu ergänzen) schmücken die digitale Welt und der Bücher lesende Teil der Menscheit hält Rückschau auf die Bücher des Jahres. Doch wer findet überhaupt noch Zeit zum Lesen?

***

Vergessene Verbrechen: Kürzlich ist leider der Regisseur Blake Edwards verstorben. Michael Carlson lenkt bei „Irresistible Targets“ die Aufmerksamkeit auf die TV-Krimis des Meisters. Sehr schön.

***

Die Volksseele kocht: Edward Docx hat vor einigen Tagen für den „Guardian“ die Romane von Stieg Larsson und Dan Brown als „amateurhaft“ entlarvt (was nicht schwer gewesen sein dürfte). Nun schlägt das Lesevolk zurück: Laura Miller bekennt, dass sie schlechte Schreibe liebt. Wen wundert es?

***

Krimiautoren empfehlen Krimiautoren – dieses lustige Spielchen gibt es im Blog von Jen Forbus zu lesen und zu sehen, denn Jen hat die Empfehlungen in einem kurzen Video eingefangen. Und wer „Hello Kitty Must Die“ von Angela S. Choi empfiehlt, den muss man einfach mögen.

***

Nervensägen: Weihnachten ist ja eigentlich DAS Kinderfest. Doch die kleinen Racker können ja auch ganz schön nerven. Im Blog „Hey, There’s A Dead Guy in the Living Room“ gibt es nette Tipps, wie man die Kids ein wenig erschrecken kann. Allerdings habe ich den Eindruck, dass die Kids von heute abgehärterter sind…

***

Frischfleisch: Auch ein beliebtes Ritual in englischsprachigen Krimiblogs – eine persönlich Liste mit den Autor/innen, die man im zu Ende gehenden Jahr das erstemal gelesen hat. Peter Rozovsky von „Detectives Beyond Borders“ hat so eine Liste im Angebot, ebenso J. Kingston Pierce bei „Rap Sheet„, Jen Forbus gleichfalls.

Sarah Weinman hingegen hat einfach mal ihre Favoriten für 2010 zusammengestellt, das alles in ihrem hübschen Tumblr-Blog.

Und überhaupt die Besten und das Beste gibt es derzeit bei „Day Labor“ – dem offiziellen Blog des „Crimefactory Magazin„.

***

Verschneit: Wer noch nicht genügend Schnee gesehen hat, bei „Euro Crime“ hat Karen ein paar hübsche Schnee-Cover-Bilder zusammengestellt. Und was sind Eure Lieblings-Schnee-Cover-Bilder?

***

Augenfutter: Ein Blog, das mir bislang leider verborgen geblieben ist, sei hiermit ausdrücklich empfohlen. Bei „Crime Time Preview“ gibt es Vorankündigungen für Krimis und Thriller, die demnächst im englischen TV zu sehen sind.

***

Schwanzvergleich: Wer ist der größte Schriftsteller aller Zeiten? Diese Frage scheint besonders für Krimiautoren wichtig zu sein. John Harvey hat jetzt die Antwort gefunden und sie hat etwas mit Tolstoi und Beethoven zu tun. Gut, dass dies jetzt endgültig geklärt ist.

***

Soweit für den Moment. Zum Schluss noch Musik für alle armen Schriftsteller, getreu dem Motto: „And if I share with you my story would you share your dollar with me“.

***

Bildquelle: Evil Snowman by Dave Hogg @flickr via everystockphoto.com

Artikel

Die Krimi-Maschine

1 Kommentar


Seit etwa vier Monaten werden meine Follower, Fans und Freunde bei Twitter und Facebook von mir mit Krimi-Nachrichten versorgt. Von mir? Nein, eigentlich nicht. Die Rede ist von den Online-Zeitungen „Krimi Daily“ (die deutsche Version) und „Crime Fiction Daily“ (die englische Version), die über den automatisieren Nachrichtengenerator paper.li einmal täglich ausgeliefert werden.

Wie funktioniert das?
paper.li bietet Twitter- und Facebook-Nutzern die Möglichkeit, automatisierte Zeitungen aus öffentlichen Tweets und seit kurzem auch aus öffentlichen Facebook-Meldungen generieren zu lassen. Es ist also kein Mensch, der da Nachrichten zusammenstellt, es ist eine „Maschine“, die die Nachrichtenauswahl trifft und versucht, sie zu ordnen und in ein zeitungsähnliches Layout zu bringen.

Welche Nachrichten ausgewählt werden, kann ich als angemeldeter Nutzer bei paper.li beeinflussen. So kann ich zum Beispiel Zeitungen zu bestimmten Schlagwörtern oder Hash-Tags erstellen lassen, oder, wie es bei meinen beiden Twitter-Zeitungen „Krimi Daily“ und „Crime Fiction Daily“ geschieht, anhand einer Liste von ausgewählten Twitteren, denen ich als @krimiblogger bei Twitter folge und von denen ich annehme, dass sie zumindest gelegentlich etwas zum Thema Kriminalliteratur, Krimis, Thriller, Noir, Mystery, Crime Fiction etc. twittern. Konkret handelt es sich um die Twitter-Liste @krimiblogger/krimi, die deutschsprachige Krimitwitterer umfasst, so wie die beiden englischsprachigen Twitter-Listen @krimiblogger/crime-fiction und @krimiblogger/crimewriters.

Dabei werden allerdings nur die Tweets ausgewertet, die Links zu Artikeln und Beiträgen im Internet enthalten. Weiterhin gibt es gesonderte Auflistungen von Videos und Bildern in den paper.li-Zeitungen. Wie und wo welche Artikel, Videos und Bilder angezeigt werden, kann ich allerdings nicht beeinflussen.

Und was soll das?
Begonnen hat das für mich als eine Spielerei. Automatisch generierte Nachrichtenseiten lösen sicher bei dem einen oder anderen Bedenken aus. So etwas kann von Menschen bearbeitete, sortierte und gewichtete Linksammlungen sicher nicht ersetzen. Für die Nutzung und die Lektüre täglicher Twitter-Nachrichten aber kann eine solche „Zeitung“ eine sinnvolle Ergänzung sein. Denn Twitter ist bekanntlich schnelllebig. Durch die tägliche „Krimi-Maschine“ wird man vielleicht auf den ein oder anderen Artikel aufmerksam, der in der Twitter-Timeline möglicherweise verschwunden ist.

Welche Reaktionen gab es bisher?
In Deutschland zeigt sich die kriminelle Twittergemeinde eher skeptisch. Im englischsprachigen Ausland hingegen habe ich durch „Crime Fiction Daily“ viele positive Reaktionen bekommen. Diese „Zeitung“ wurde sogar in einem Artikel über Twitter erwähnt.

Ich will – nicht!
Wer mit auf diese Liste will, schickt mir einfach eine E-Mail oder kontaktiert mich über Twitter.

Wer aber nicht erwähnt werden möchte, der findet hier Infos, wie die Erwähnungen unterbunden werden können – oder schickt mir ebenfalls eine E-Mail.

Was kommt?
Weitere Listen und Zeitungen sind in der Vorbereitung. Zudem kann man seit einigen Tagen auch öffentliche Nachrichten bei Facebook zur Zeitung verarbeiten lassen. Es bleibt auf jeden Fall spannend.

Artikel

Lieblingsbuchhändler/innen

1 Kommentar

Meine Lieblingsbuchhändlerinnen und mein Lieblingsbuchhändler haben in meiner Lieblingsbuchhandlung ihre Lieblingsbücher vorgestellt. Die Buchhandlung heißt übrigens „Stories! Zeit für Geschichten“ und liegt praktischerweise auf meinem Arbeitsweg.

Und das Video läuft übrigens in der fantastischen Rubrik „Spröde TV“. Demnächst hoffentlich mehr.

Hier nochmal die empfohlenen Bücher in der Übersicht:
Kristof Magnusson: Das war ich nicht
Verlag: Kunstmann
ISBN: 978-3-88897-582-0
Preis: 19,90 Euro

Einzlkind: Harold
Verlag: Edition Tiamat
ISBN 978-3-89320-142-6
Preis: 16.- Euro

Elisabeth Rank: Und im Zweifel für dich selbst
Verlag: Suhrkamp
ISBN 978-3-518-46143-3
Preis: 12,90 Euro

Die Autorin und Autoren im Netz:

Kristof Magnusson -> www.kristofmagnusson.de

Einzlkind-> www.einzlkind.com

Elizabeth Rank -> mevme.com/lizblog

Musik: Soul Position, aus dem Album „8 Million Stories“

Artikel

Mord in der Puppenstube

Hinterlasse eine Antwort

CSI in der Puppenstube: Susan Marks zeigt in ihrem Dokumentarfilm „Of Dolls & Murder“ die makabren Puppenmorde der Frances Glessner Lee. 18 Dioramen, die reale Mordfälle nachstellen.

Links:
→ Die aktuelle Internetseite zum Film
→ Weitere Infos zur Entstehung des Films
→ Wikipedia: Nutshell Studies of Unexplained Death
→ The Art of Murder: Rachel Monroe über den Film und Frances Glessner Lee
→ Mehr über Susan Marks
→ Susan Marks bei Twitter
→ Das Blog zum Film

Artikel

Das tägliche Drama | Folge 8

Hinterlasse eine Antwort

+++ Twitter off +++

Was soll ich sagen? Keine Zeit ist keine Zeit ist keine Zeit.

Seit letzter Woche laufe ich jeden Morgen an einer Kampfansage vorbei. Schlechte Zeiten für Kultur in Hamburg. Altonaer Museum dicht, Kürzungen beim Schauspielhaus, Kürzungen bei den Bücherhallen (für alle Nicht-Hamburger: Das sind unsere öffentlichen Bibliotheken). Alles Einrichtungen, die sehr nah an den Menschen sind. Das Altonaer Museum ist ein beliebter Ort für Familien mit Kindern, das Schauspielhaus bietet erschwingliche Theaterabende und die Bücherhallen, die sowieso schon miserabel ausgestattet sind, werden künftig noch mehr vor sich hin darben. Dabei sind genau dies die lebensnotwendigen Orte für Kultur und Bildung in der Stadt. Hier findet die kulturelle Grundversorgung der Menschen statt – nicht in einem Prestigeobjekte wie dem Millionengrab Elbphilharmonie. Aber hochsubentionierte Galakonzerte mit Elbblick und Elitepublikum sind für einen Bürgermeister sicher medienwirksamer als kleine Museen und Bibliotheken. Dafür bleibt uns ja das Polizeiblasorchester erhalten – weil der Bürgermeister es so will.

***

Hyper, Hyper: Kommen wir zu dem zur Zeit wohl wichtigsten Krimi, der durch den Blätterwald gepustet wird. „Tage der Toten“ von Don Winslow. Bei unserem Lieblingskrimibuchladen „Hammett“ ist man begeistert („Jahrzehntroman“), Thomas Wörtche schreibt von „Don Winslows opus magnum.“ und Tobias Gohlis blurbt und hypt – wie es sich für den König der Klappentexte gehört – sogar was von „Krieg und Frieden“ herum. Hängen wir es ein wenig tiefer, atmen einmal tief durch, und lesen dann das Interview, das Don Winslow Peter Körte für die FAZ gegeben hat und schauen bei der Gelegenheit auch noch mal auf die Rezension von Körte, ebenfalls in der FAZ.

***

Der Regionalkrimi und der Hausmeister: Helmut Höge ist der Aushilfshausmeister der Taz-Blogs. In unregelmäßigen Abständen veröffentlicht er in seinem Blog etwas zu Regionalkrimis. Bisher erschienen: Folge 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 13. Okay, diese Zusammenstellung war eher eine Qual als eine Freude und spricht – rein technisch – dafür, dass sie bei der Taz nicht so ganz begriffen haben, wie das so geht mit dem Bloggen und Taggen und so. Dennoch: In dieser Phänomenologie hat der Regionalkrimi endlich seine würdige pseudowissenschaftliche Entsprechung – ich sage nur „Euterpflege“ – gefunden, die eben nichts anderes als eine literaturhistorische Verirrung ist. Höge schreibt so schlecht, dass es schon wieder gut ist. Inhaltlich nicht immer falsch, bleiben Höges Texte stilstisch eine Zumutung. Aber das ist man beim Regionalkrimi gewöhnt.

***

Snobs: Val McDermid mag Dorothy L. Sayers nicht. Das musste mal gesagt werden und muss festgehalten werden. Dennoch räumt sie dem Klassiker „Gaudy Night“ den Platz 10 in ihrer Liste der 10 besten/überragendsten/erstklassigsten Oxford-Romane ein („top“ ist so ein unklarer Begriff). Nein, und da steht auch nicht ein Krimi auf dem ersten Platz, sondern Evelyn Waughs „Brideshead Revisited„. Aber immerhin sind auch Colin Dexter, Edmund Crispin, Ian Pears und Michael Dibdin vertreten. Und wer immer noch nicht weiß, wer diese Val McDermid ist und was sie mit Oxford zu tun hat, der lese die Besprechung ihres aktuellen Romans.

***

Im Hafen: Nicht nur Hamburg feiert ein „Harbour Front Festival“, auch im fernen Toronto gibt es ein solches Festival. Das Erfreuliche: Dort gibt es auch einen Literaturpreis und den hat in diesem Jahr Peter Robinson gewonnen. Gratulation!

***

Schütteln: Wie sieht die Zukunft des Buches aus? Wie werden in der Zukunft Geschichten erzählt? Wie es hoffentlich nicht aussieht, zeigt Keith Stuart in seinem Beitrag „Is interactive fiction the future of books?“ beim Guardian. Die Design-Berater IDEO haben ein Video produziert, in dem drei E-Reader-Applikationen vorgestellt werden: Nelson, Coupland und Alice. Für’s Fiktionale ist – wie kann es anders sein – Alice zuständig. So soll man etwa beim Lesen eines Krimis durch Schütteln des Readers neue Hinweise bekommen, weil sich dann der Text auf dem Schirm ändert und Buchstaben „herunter fallen“. Oder neue narrative Stränge öffnen sich nur, wenn man an einem bestimmten Ort ist. Oder Romanfiguren schicken dem Leser eine E-Mail. Ich möchte das nicht.

***

Lächerlich: Wenig überzeugt zeigt sich Tom Lappin vom angeblichen Großmeister James Ellroy, dessen Autobiographie „The Hilliker Curse – My Pursuit Of Women“ jetzt erschienen ist. „It might be a statement of the obvious, but James Ellroy isn’t half as cool as he thinks he is.“ schreibt Lappin bei „Herald Scotland“. Tja, und widersprechen mag man ihm da nicht.
Weitere Besprechungen gibt es übrigens beim Telegraph, in der Los Angeles Times, im Guardian und in der Daily Mail.

***

Schatten und Geister: Bei „The Guardian“ lobt Michel Faber die Comic-Adaptation von Joseph Conrads „Herz der Finsternis“ durch Catherine Anyango und David Zane Mairowitz. Allerdings stellt er fest, dass der Comic im direkten Vergleich verblasst gegen zwei Meisterwerke in anderer, medialer Form: Conrads Erzählung selbst und Francis Ford Coppolas Filmadaptation „Apocalypse Now“.

***

Für den Moment verabschiede ich mich damit wieder in die Geisterwelt.

Artikel

True-Crime-Tipp | Vincent Bugliosi & Curt Gentry: Helter Skelter

Hinterlasse eine Antwort

Ungelesen, angelesen, quergelesen – Der True-Crime-Tipp des Tages: Vincent Bugliosi & Curt Gentry: Helter Skelter

Vincent Bugliosi & Curt Gentry: Helter Skelter : Der Mordrausch des Charles Manson. Eine Chronik des Grauens. – Übersetzung: Anke und Eberhard Kreutzer, Egbert Baqué (Nachwort und Bildunterschriften). – München : Riva Verlag, 2010
ISBN 978-3-86883-057-6

Heute vor 41 Jahren, in der Nacht vom 8. auf den 9. August 1969, wurden Sharon Tate, Jay Sebring, Abigail Folger, Voyteck Frykowski und Steven Parent auf dem Anwesen des Regisseurs Roman Polanski in Bel Air, Los Angeles, von Mitgliedern der „Manson Family“ ermordet. Am Tag darauf wurden Leno und Rosemary LaBianca von den Mitgliedern getötet. Fünf Jahre später veröffentlichte der leitende Staatsanwalt im Prozess gegen Charles Manson, Vincent Bugliosi, seine Dokumentation „Helter Skelter. The True Story of the Manson Murders.“ Das Buch gilt in den USA als eines der wichtigsten True-Crime-Bücher und entwickelte sich schon kurz nach dem Erscheinen zu einem Bestseller.

Erstaunlich also, dass es 36 Jahre brauchte, bis sich ein deutscher Verlag fand, der dieses Werk übersetzte. Manson, der in den USA zu einer Art Serienkiller-Pop-Ikone stilisiert wurde, scheint für den deutschen Buchmarkt nicht ganz wichtig zu sein, wie es uns Bugliosi in seinem Vorwort zur deutschen Ausgabe weismachen will. Immerhin stellt er die Überlegung an, ob Charles Manson noch berühmter ist, als Jack the Ripper (nach dem man in Deutschland ja bekanntlich Krimipreise benennt) – und bezeichnet ihn als „berühmtesten und berüchtigsten Massenmörder aller Zeiten“. Da darf sich die Stirn schon mal in Falten legen. Die 747 Seiten starke Dokumentation, streng chronologisch und durchaus plastisch erzählt, wird wohl kaum das Zeug zum Bestseller in Deutschland haben. Dennoch sicher eine Pflichtlektüre für Fans von True-Crime-Geschichten.