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Vabanquespiel: Zocken in der Leserhölle

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Krimitipp | Andrew Taylor: The Scent of Death

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The Scent of DeathUngelesen, angelesen, quergelesen – Der Krimitipp des Tages | Andrew Taylor: The Scent of Death. – London : HarperCollins, 2013. –
ISBN 978-0-00-721351-1

Okay, ich bin befangen: Seitdem ich den wunderbaren Andrew Taylor im April 2008 in Hamburg treffen durfte, kaufe ich jedes seiner Bücher ungesehen. Damals sagte er unter anderem:

»Eine Geschichte ist eine Form des spielerischen Zaubers und ich glaube, viele von uns Autoren versuchen, unsere Leser mit einer Geschichte zu verzaubern. Ich bin sicher, das ist es, was ein guter Kriminalroman kann.«
– Andrew Taylor

Diesen Zauber entwickelt Taylor auf sehr unterschiedliche Weise in seinen Kriminalromanen: zum Beispiel in seiner Roth-Triologie, die an psychologische Thriller erinnert, in seiner Lydmouth-Serie, deren Geschichten dem Polizeiroman nahe stehen oder in seinem historischen Roman über Edgar Allen Poe The American Boy.

Gerade an das letztgenannte Buch erinnerte ich mich, als ich erste Besprechungen zu Taylors aktuellem Roman The Scent of Death las. Denn Taylor wagt die Fahrt über den Atlantik und lässt seinen Roman während des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges in und um New York spielen. Edward Savill, ein kleiner Beamter aus London, trifft 1778 in New York ein, um sich dort um enteignete Loyalisten zu kümmern. Er lebt in einer britischen Enklave in Manhatten, umstellt von den Anhängern der Unabhängigkeitsbewegung. Untergebracht bei dem Richter Wintour und seiner Familie, verliebt er sich in die Tochter des Hauses, der bezaubernden Arabella. Die allerdings sorgt sich um ihren verschwunden Ehemann. Dann wird Saville schließlich in eine Mordermittlung hineingezogen.

The Scent of Death dürfte kein schnell erzählter Roman sein, vielmehr deutet sich an, dass Taylor stille, kraftvolle Szenen entwirft, in denen die Figuren sich um Fragen nach Verrat und Loyalität beschäftigen. Taylor verlässt damit ein Stück weit die britisches Geschichte (wenn auch nicht ganz) – und das dürfte sehr interessant sein. Kein Buch zur U-Bahn-Lektüre, eher für lange Stunden auf dem Sofa.

Der Bücherstapel wächst.

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Krimitipp | Die Schundhefte Nr. 1 bis 5

1 Kommentar

SchundhefteUngelesen, angelesen, quergelesen – Der Buchtipp des Tages | Die Schundhefte 1 bis 5.
Im Einzelnen:

O.M. Gott: Plausch mit meinem Killer. – Schundbüro, 2013
ISBN 978-1482308778
(Schundheft; 1)

Hans I. Glock: Beiss die Zähne zusammen, alter Schwede : Der erste halbe Fall für Beppo B., Agent der Kanzlerin. Ein epochaler Meisterroman. – Schundbüro, 2013
ISBN 978-1482506891
(Schundheft; 2)

Isa Oblowmov: Robozid: Das große Verschrotten. – Schundbüro, 2013
ISBN 978-1482507867
(Schundheft; 3)

Hans I. Glock:Der Herbert ist dem Karl sein Freund : Ein Western aus den bösen neuen Tagen. – Schundbüro, 2013
ISBN 978-1482593013
(Schundheft; 4)

Edi La Gurki: Buschzulagenficker. – Schundbüro, 2013
ISBN 978-1482617085
(Schundheft; 5)

Alle Titel sind als gedruckte Hefte und als E-Book bei amazon.de erhältlich.

Wo findet der Leser heute gute Schundliteratur? Zwar stapeln sich in den Buchhandlungen die Serienkiller-Schmonzetten, die Ekel-Epen über pervers-debile Mördermaschinen oder die lustigen Ne­k­ro­phi­lie-Romane, aber richtig guter Schund geht irgendwie anders. Das fängt schon bei der Länge an. Die Backsteine, in denen auf 400 bis 600 Seiten gemetzelt und zerstückelt wird, sind selbst Mordinstrumente für die Geduld und die Lesefreude der Leser. Nein, kurz, knapp, böse – so liest sich gute Schundliteratur.

Ein Hoch also auf das Schundbüro, das uns Leser mit wohlfeilen Kurzromanen – nicht länger als 60 Seiten – unterhält. Genau darum geht es nämlich auch: um Unterhaltung. Und zur Unterhaltung gehört Abwechslung, wie die ersten fünf Schundhefte beweisen. Da findet sich ein wundbarer Roman über den Aufbau Ost mit dem gar feinen Titel Buschzulagenficker. Oder zukunftsweisende SF von Isa Oblomov. Mein persönlicher Höhepunkt – bisher – ist natürlich der Western Der Herbert ist dem Karl sein Freund : Ein Western aus den bösen neuen Tagen von Hans I. Glock, der mir endlich die Erfüllung meiner Jungsträume verspricht. Und da das Krimiblog den literarischen Querverweis und die Kontextsuche auf höchstem Niveau pflegt, werde ich einen Schwanzvergleich des Herrn Glock mit dem Herrn Amory unternehmen. Letzterer hat die Männerliebhaber unter uns einst mit dem Softporno Rote Männer auf grünen Matten oder Winnetous Erben beglückt. Mal sehen, wer da gewinnt.

P.S.: Wie ich aus zuverlässiger Quelle erfahren habe, geht das mit dem Schund munter weiter. Spätestens wenn die Hefte 5 bis 10 vorliegen, folgt hier eine neue Vorstellung.

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Buchtipp | Roberto Ampuero: Der letzte Tango des Salvador Allende

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Der letzte Tango des Salvador Allende Ungelesen, angelesen, quergelesen – Der Buchtipp des Tages | Roberto Ampuero: Der letzte Tango des Salvador Allende. – Aus dem Spanischen von Carsten Regling. – Berlin : Bloomsbury, 2013
ISBN 978-3-8270-1110-7

Originaltitel: El último tango de Salvador Allende. – 2011.

Vermutlich ist Der letzte Tango des Salvador Allende von Roberto Ampuero gar kein Krimi, deshalb fehlt der Begriff auch in der heutigen Vorstellung. Dennoch habe ich Ampuero als einen Krimischriftsteller kennengelernt: Seine beiden Romane um den Privatdetektiv Cayetano Brulé, Der Fall Neruda und Tod in der Atacama, die ich bisher kenne, sind solide, leicht verspielte Kriminalromane mit zeitgeschichtlichem Hintergrund.

In diesem Roman rückt Ampuero die letzten Tage des chilenischen Präsidenten Salvador Allende in den Mittelpunkt, die bereits in seinem Buch Der Fall Neruda beschrieben wurden. Der ehemalige CIA-Agent David Kurtz reist nach Chile, um dort den früheren Geliebten seiner verstorbenen Tochter zu finden. Das Tagebuch des Mannes, der in den letzten Monaten Salvador Allendes Koch und Freund war, soll ihn auf die Spur führen.

Das könnte ein eleganter, erzählerischer Trick sein, um die Tage des Umbruchs in dem zerissenen Chile lebendig werden zu lassen. Manche Elemente erinnern mich an den Fall für Brulé – die Suche nach einer unbekannten Person, die Reise des CIA-Agenten, Bezüge zu Deutschland – und möglicherweise hat Ampuero bestimmte Motive hier weitergesponnen. Als Krimi-Erzähler konnte mich Ampuero nicht immer überzeugen, möglicherweise ist dies beieinem „Nicht-Krimi“ anders? Auf den Lektürestapel.

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Krimitipp | Liad Shoham: Tag der Vergeltung

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Tag der VergeltungUngelesen, angelesen, quergelesen – Der Krimitipp des Tages | Liad Shoham: Tag der Vergeltung : Thriller. – Aus dem Hebräischen von Ulrike Harnisch. – Köln : DuMont, 2013
ISBN 978-3-8321-9701-8

Originaltitel: Misdar sihui. – 2011.

Als in der vergangenen Woche diese Kritik von Carsten Hueck bei Deutschlandradio Kultur über meinen Bildschirm tickerte, war mein Interesse an diesem israelischen Thriller geweckt. Weder der Autor Liad Shoham, laut Kurzbiographie ein Anwalt aus Tel Aviv und erfolgreicher Autor, noch der Buchtitel sagten mir bis dahin etwas. Wenn ich richtig bibliographiert habe, dann ist von ihm bislang noch kein Buch in deutscher Übersetzung erschienen.

Die Geschichte, die sowohl der Klappentext wie auch die oben erwähnte Kritik andeuten, klingt spannend. Eine junge Frau wird auf offener Straße vergewaltigt. Obwohl eine ältere Frau die Tat beobachtet, geht sie aus Scham nicht zur Polizei. Der Vater der vergewaltigten Frau ist mit den Ermittlungen der Polizei unzufrieden und sucht den Täter auf eigene Faust. Und er findet einen Verdächtigen: Ziv Nevo, der schon einmal wegen Belästigung angezeigt wurde. Er trieb sich in der Nähe des Tatorts herum, sein Aussehen passt auf die Beschreibung.

Der ermittelnde Kommissar verhaftet ihn, doch Nevo bestreitet die Tat. Auch eine Gegenüberstellung mit dem Opfer erbringt nichts – und alle Beteiligten verstricken sich immer mehr in einem Geflecht aus Misstrauen und Lügen. Neben dem gelungenen Tempo und der punktgenauen Sprache wird in den bisherigen Kritiken vor allem auch die gute Figurenzeichnung von Liad Shoham gelobt, wie etwa auch in einer Kritik vom psychosemitischen Buchblog. Und gute Figurenzeichungen finden sich in schnellen Thrillern eher selten.

Rückt im Stapel ungelesener Bücher nach oben.

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Krimitipp | Tom Williams: A Mysterious Something in the Light – Raymond Chandler

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Tom Williams: A Mysterious Something In The LightUngelesen, angelesen, quergelesen – Der Krimitipp des Tages | Tom Williams: A Mysterious Something in the Light – Raymond Chandler. – London : Aurum Press, 2012. – ISBN 978-1-84513-526-3

Immer auch der Sekundärliteratur zur Lieblingslektüre verpflichtet, gibt es in der Krimiblog-Rubrik Vabanquespiel selbstverständlich Hinweise auf entsprechende Bücher, die den Weg in mein Regal gefunden haben. Dieses Jahr ist, falls Sie es noch nicht bemerkt haben, Chandler-Jahr. Am 23. Juli 2013 jährt sich zum 125. Mal der Geburtstags des Erfinders von Philip Marlowe. Der britische Autor Tom Williams hat im vergangenen Sommer eine neue Biographie über Chandler vorgelegt, die in der britischen Presse durchweg gute Kritiken erhielt.

Chandlers Leben sei, so heißt es im Klappentext, immer wieder mit Halbwahrheiten und Verschleierungen dargestellt worden. Williams hat für sein Buch Interviews und bislang unbekannte Briefe ausgewertet und zeichnet Chandler als einen Mann, der sein Selbstbild vom einsamen Helden, wie es auch sein Philip Marlowe ist, besonders gepflegt hat. Die Fakten – Geburt in Chicago, Scheitern der Ehe seiner Eltern, seine Zeit in Europa, vor allem in England, Rückkehr in die USA 1912, sein später Durchbruch als Schriftsteller und seine Alkoholsucht – sind bekannt. Die Frage, die sich bei solchen Biographien stellt: Was kann uns dieser Chronist an Neuigkeiten erzählen und gibt es unbekannte Facetten der portraitierten Persönlichkeit? Und wie setzt er sich von Chandlers Biographen Frank MacShane ab?

Das könnte Williams gelungen sein, folgt man den Kritiken, denn Williams lässt Raymond Chandler durch Zitate vor allem selbst erzählen. Eine sicher lohnende Lektüre, möglicherweise bevor der ganze Chandler-Rummel auch hier bei uns los geht.

Ausgewählte Kritiken und Verweise zum Buch:

Und so fing alles an:

»Raymond Chandler was born on 23 July 1888 in the upper rooms of a small, red-brick house of Langley Avenue in Chicago, Illinois.«

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Krimitipp | Joe R. Lansdale: Dunkle Gewässer

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Dunkle GewässerUngelesen, angelesen, quergelesen – Der Krimitipp des Tages | Joe R. Lansdale: Dunkle Gewässer. – Aus dem Amerikanischen von Hannes Riffel. – Stuttgart : Tropen, 2013
ISBN 978-3-608-50131-5

Originalausgabe | Joe R. Lansdale: Edge of Dark Water. – London : Mulholland Books, 2012
ISBN 978-1-444-73686-1

Für einen kurzen Krimitipp ist das neueste Buch von Joe R. Lansdale Dunkle Gewässer eigentlich ungeeignet. Wenn ich so etwas wie ein Autoren-Fan-Boy wäre, Joe R. Lansdale wäre eines meiner wenigen Idole. Dieser Autor, der so virtuos zwischen den Genres wandelt – Horror, Krimi, Western, Science Fiction, Kinderbücher – ist ein großartiger Schriftsteller. Romanreihen wie die um Hap Collins und Leonard Pine, dem weißen Hetero und seinen schwarzen, schwulen Kumpel, die Horror-Serie Drive In oder seine Romane, die im ländlichen Ost-Texas in den den 1930er Jahren angesiedelt sind – alles großartige Literatur.

Dunkle Gewässer ist eine Jugendgeschichte um die schöne und tote May Lynn und ihre Freundin Sue Ellen. Sue möchte die Asche ihrer ermordeten Freundin nach Hollywood bringen. Doch niemand kümmert sich wirklich um May, es geht allen eigentlich nur um das Geld, das Mays Bruder erbeutet haben soll. Ein amerikanischen Roadmovie, eine Variation zu Huckleberry Finn und Tom Sawyer. Als Leser wird man auch vermutlich wieder das erwarten, was Lansdale so vorzüglich beherrscht: berührende Charakterzeichnungen in einem atmosphärisch dichten Setting, dazu eine flotte, spannende Geschichte.

Bleibt die Frage: Soll es das englisch Orignal oder die deutsche Übersetzung sein? Als Fan-Boy liegen beide hier.