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Vabanquespiel: Zocken in der Leserhölle

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Krimitipp | Al Lamanda: Sunset

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Al Lamanda: SunsetUngelesen, angelesen, quergelesen – Der Krimitipp des Tages | Al Lamanda: Sunset. – Detroit : Five Star, 2012. – ISBN 978-1-4328-2584-3

Der Autor des fünften, nominierten Romans in der Kategorie Best Novel für die Edgar Awards heißt Al Lamanda und ist wohl das, was man einen klassischen Indie-Autor nennen könnte. Viele seiner Bücher sind als E-Books erschienen, sein jetzt nominierter Roman Sunset ist hingegen bislang nur in gedruckter Form erhältlich.

Die Geschichte, die mir der Klappentext verrät, liest sich wie klassische Hardboiled-Schule. Polizist John Bekker führte ein gutes Leben mit seiner Frau und seiner fünfjährigen Tochter Regan. Bekker gehört einer Polizeieinheit an, die gegen das organisierte Verbrechen ermittelt. Leider kommt er dem Mafiaboss Eddie Crist wohl zu nahe, denn seine Frau wird im Beisein ihrer Tochter vergewaltigt und ermordet.

Zehn Jahre später ist John Bekker völlig abgestürzt: Er ist Alkoholiker und seine Tochter, die seit dem Mord an ihrer Mutter nicht mehr spricht, lebt in einer Pflegeeinrichtung. Eines morgens wacht er an ein Bett gekettet in einem fremden Zimmer auf. Er ist im Hause von seinem Widersacher Eddie Crist gefangen, der im Sterben liegt. Crist beteuert, mit dem Tod von Bekkers Frau nichts zu tun zu haben. Der Mafiaboss beauftragt Bekker herauszufinden, wer seine Frau wirklich getötet hat.

Leser loben den Roman als humorvoll, mit einigen unerwarteten Wendungen und vor allem mit harten, aber herzlichen Charakteren. Nimmt in meinem SUB nicht unbedingt einen vorderern Platz ein, könnte aber eine Überraschung sein. Gerade, weil es ein unbekannter Autor ist.

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Krimitipp | Jesse Kellerman: Potboiler

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potboiler_150Ungelesen, angelesen, quergelesen – Der Krimitipp des Tages | Jesse Kellerman: Potboiler. – New York : G. P. Putnam’s Son, 2012. – ISBN 978-0-399-15909-09

Bereits der Titel des vierten nominierten Buches für den diesjährigen Edgar Award in der Kategorie Best Novel klingt nach Metaebene: Potboiler, so bezeichnet man die Werke, die eher dem schnellen Geldverdienst geschuldet sind und nicht unbedingt dem künsterlischen Anspruch. Und so spielt der junge Autor Jesse Kellerman am Anfang seiner Literatur-Satiere mit den Elementen, die uns Lesern so vertraut sind.

Sein Roman beginnt mit sogenannten „Blurbs“ von Stephen King, Lee Child, Robert Crais und anderen Stimmen zum Werk von William de Vallée. Der ist erfolgreicher Autor und dummerweise auf hoher See verschollen. Sein langjähriger Kumpel Arthur Pfefferkorn, seines Zeichens erfolgloser Möchtegern-Literat, wittert die Chance, in die Fußstapfen von de Vallée zu treten und knüpft Kontakte zur Witwe von de Vallée. Als Pfefferkorn den letzten, unvollendeten Roman seines Freundes als seinen ausgibt, beginnt eine kuriose bis absurde Geschichte über den Literaturbetrieb – so sagen es mir die Kritiken.

Was neben der Metaebene an diesem Roman interessiert, ist der Autor Jesse Kellerman. Der ist nämlich der Sohn des erfolgreichen Autorenehepaars Faye und Jonathan Kellerman. Der schreibt sich mit seinem fünften Roman offenbar von seinen berühmten Eltern los – mit einer gelobten Satiere über den Literaturbetrieb. Was da wohl so im Hause Kellerman los ist?

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Krimitipp | Gillian Flynn: Gone Girl

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Gone GirlUngelesen, angelesen, quergelesen – Der Krimitipp des Tages | Gillian Flynn: Gone Girl . – London : Phoenix, 2013. – ISBN 978-0-2978-5940-6 (E-Book-Ausgabe)

Zweifelsohne gehört Gone Girl, der dritte Roman von Gillian Flynn, zu den Favoriten für den diesjährigen Edgar. Nominiert ist er in der Kategorie Best Novel und wird deshalb – ungelesen, angelesen, quergelesen – in der Vabanquespiel-Reihe vorgestellt.

Wobei: Unbelastet kann ich an diesen Roman schon gar nicht mehr herangehen. Ich habe soviele Kritiken, Interviews und Porträts für die Krimi-Depeschen gelesen, dass meine Erwartungen schon sehr hochgeschraubt sind. Und das, wo ich mit Gillian Flynns Romandebüt Sharp Objects (2007) so meine Probleme hatte.

In Gone Girl erzählt Flynn die Geschichte einer gescheiterten Ehe. Nick und Amy Dunne sind seit fünf Jahren verheiratet, als Nick am fünften Hochzeitstag seine Frau vermisst. Die informierte Polizei wird misstrauisch gegenüber Nick, denn er erzählt von ihr in der Vergangenheit. Erzählt wird die Geschichte abwechselnd aus der Sicht von Nick und durch Auszüge aus Amys Tagebuch. Szenen einen Ehe, oft verglichen mit den meisterlichen, psychologischen Romanen einer Patricia Highsmith. Und der Frage, an welchem Punkt diese Verbindung in die falsche Richtung lief.

Hohe Erwartungen also, die ich eigentlich bald überprüfen sollte.

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Krimitipp | Lyndsay Faye: The Gods of Gotham

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The Gods of GothamUngelesen, angelesen, quergelesen – Der Krimitipp des Tages | Lyndsay Faye: The Gods of Gotham . – London : Headline, 2012. – eISBN 978-0-7553-8677-2 (E-Book-Ausgabe)

In der kleinen Umschau zu den Edgar-Nominierungen in der Kategorie Best Novel folgt der zweite Titel, ein historischer Kriminalroman von Lyndsay Faye.

The Gods of Gotham ist der zweite Roman der Autorin, die seit 2005 in Manhattan lebt und als Schauspielerin arbeitet. Ihren Debütroman Dust and Shadow: an Account of the Ripper Killings by Dr. John H Watson widmete sie ihrem großen Vorbild und Begleiter seit Kindheitstagen, Sherlock Holmes. Ihr zweiter Roman spielt 1845 in New York. Hauptfigur ist Timothy Wilde, ein junger Polizist wider Willen in der neu gegründeten New Yorker Polizei. Seine Streifgänge führen ihn durch üble Slums in New York, vorbei an Straßengangs und schäbigen Bordellen. Auf einer dieser Touren begegnet ihm ein Mädchen, das gerade aus einem dieser Bordelle geflohen ist, sie selbst nur mit einem Nachthemd bekleidet und blutüberströmt. Timothy versucht die Wahrheit über das Schicksal des Mädchens herauszufinden und ist einem Mörder auf der Spur.

Seine Ermittlungen muss er inmitten von sozialen Unruhen und zunehmenden Hass auf die irischen Einwanderer führen. Hier prallen Welten aufeinander: Die katholischen Iren und die protestantischen New Yorker. Dazu ein Gangsterboss, den alle „God of Gotham“ nennen. Die US-amerikanischen Kritiken lobten Fayes Roman für die bildstarke Erzählung und als spannendes Lesespektakel. Ein typischer Historienkrimi also? Immerhin gibt es Vergleiche mit Caleb Carrs The Alienist, was neugierig werden lässt.

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Krimitipp | Ace Atkins: The Lost Ones

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The Lost OnesUngelesen, angelesen, quergelesen – Der Krimitipp des Tages | Ace Atkins: The Lost Ones. – New York: G.P. Putnam’s Sons, 2012. – ISBN 978-1-101-58496-5 (E-Book-Ausgabe)

Im Mai werden wieder die Edgar-Awards der Mystery Writers of America vergeben, einer der wichtigsten Krimipreise weltweit. Aus diesem Grund möchte ich in den nächsten Tagen die Krimitipps den nominierten Büchern in der Kategorie Best Novel widmen und sie – wie immer als Vabanquespiel ungelesen, angelesen oder quergelesen – vorstellen.

Auftakt bildet Ace Atkins mit seinem Roman The Lost Ones. Obwohl Atkins in seiner Heimat, den USA, bereits zehn Bücher veröffentlicht hat, ist von ihm bislang noch kein Buch ins Deutsche übertragen worden. Im vergangenen Jahr wurden interessierte Krimileser dennoch aufmerksam, den Atkins setzte die Spencer-Serie des 2010 verstorbenen Autors Robert B. Parker mit dem Titel Robert B. Parker’s Lullaby fort.

Für den diesjährien Edgar ist er allerdings mit dem zweiten Roman aus seiner Quinn-Colson-Serie nominiert. Bereits der erste Roman aus dieser Reihe, The Ranger, stand auf der Nominierungsliste für den Edgar. Beide Romane spielen im fiktiven Tibbehah County im US-Bundesstaat Mississippi. Hauptfigur ist Quinn Colson, ein ehemaliger Ranger, der zum Sheriff von Tibbehah County gewählt wird und dort die Nachfolge seine Onkels antritt, der Selbstmord begangen hat. Colson trifft auf einen alten Bekannten, der ein Waffengeschäft betreibt und Schwierigkeiten mit einem mexikanischen Waffenhändlerring bekommt. Dazu beschäftigt Colson der Fall eines Kinderhändlerrings. Kurz: das klingt schon sehr nach typischen Zutaten für einen Kriminalroman. Die Kritiken bescheinigen Atkins allerdings, seine Geschichte bildstark und dicht zu erzählen. Sein Colson habe, so eine euphorische Kritik, sogar das Zeug zu einem Popkultur-Phänomen wie etwa Jack Reacher.

Immerhin, der erste Satz des Romans schafft es, eine ganze Geschichte zur erzählen:

»A couple of roustabouts had been asking about guns at the Tibbehah County Fair, but by the time the word had gotten back to Donnie Varner, they’d long since packed up their Ferris wheel, corn dog stands and shit, and boogied on down the highway.«

Könnte nach dem Auftakt für ein moderens, sehr amerikanisches Helden-Epos klingen. Ich habe schon schlechtere Anfänge gelesen.

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Krimitipp | Max Allan Collins: Seduction of the Innocent

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Seduction of the InnocentUngelesen, angelesen, quergelesen – Der Krimitipp des Tages | Max Allan Collins: Seduction of the Innocent. – Interior Illustrations by Terry Beatty. – London : Titan Books. – 2013
(Hard Case Crime; 110)
ISBN 978-0-85766-748-7

Der Versuch, die US-amerikanische Krimireihe Hard Case Crime hier in Deutschland zu eta­b­lie­ren, ist weitgehend gescheitert. Der Rotbuch-Verlag, der 2008 mit der Übersetzung der Romane began, hat schon vor einiger Zeit aufgegeben. Anfang März 2013 ist zwar die deutsche Übersetzung von James M. Cains „verschollenen“ Roman The Cocktail Waitress unter dem Titel Abserviert bei Metrolit erschienen. Aber auch diese Übernahme eines Hard Case Crime-Titels dürfte eine Ausnahme bleiben. Eine schöne Übersicht der übersetzten Titel gibt es bei den Kollegen der Mordlust.

Wer also Hard Case Crime lesen möchte, muss Englisch lesen. Im vergangenen Jahr etwa Ariel S. Winters famoses Krimi-Debüt The Twenty-Year Death, oder der neue Stephen King, der im Sommer kommen soll. Als 110. Band der Reihe liegt seit einigen Tagen Max Allan Collins‘ Seduction of the Innocent vor, ein Roman über den Kampf gegen Comics in den 1950er Jahren. Vorlage für den Roman lieferte die Studie Seduction of the Innocent des US-amerikanischen Psychiaters Fredric Wertham, der die schädlichen Auswirkungen gerade der „Crime“ und „Horror“ Comics auf Jugendliche aufzeigen wollte. Seiner populistischen Hetzjagd auf die Verleger und Autoren von Comics ist unter anderem auch der Comics Code zu verdanken.

Collins Roman, der selbstverständlich einige Panels enthält, erzählt die Geschichte von Jack Starr, der für die Comic-Industrie den Mord an Dr. Werner Frederick, dessen Vorbild der erwähnte Frederic Wertham sein dürfte, aufklären soll. Zu erwarten ist also ein munterer Meta-Roman, der ein Kapitel der Comic-Geschichte aufgreift und als Kriminalroman erzählt. Das verspricht gute Unterhaltung, für die die Hard Case Crime-Reihe steht. Will ich mich – unschuldig wie ich bin – verführen lassen?