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Die Unbesprochenen | Daniel Stashower: Sir Arthur Conan Doyle

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Daniel Stashower: Sir Arthur Conan DoyleUngelesen, angelesen, quergelesen Die Unbesprochenen – Der Buchtipp des Tages | Daniel Stashower: Sir Arthur Conan Doyle : Das Leben des Vaters von Sherlock Holmes. – Aus dem Englischen von Michael Ross und Klaus-Peter Walter. – Köln : Baskerville Bücher, 2008. – ISBN: 978-3-930932-04-7

Originalausgabe: Daniel Stashower: Teller of Tales: A Life of Sir Arthur Conan Doyle. – New York : Henry Holt & Co, 1999

An den Ostertagen bin ich durch meine Bücherregale flaniert. Welches sollten die Krimitipps in der „Ungelesen, angelesen, quergelesen“-Reihe werden? Plötzlich kam mir der Gedanke an all die durchaus gelesenen, aber unbesprochenen Bücher. Das soll es sein in dieser Woche: Die Unbesprochenen. Streichen Sie also bitte für die nächsten Tage das „ungelesen, angelesen, quergelesen“. Die Unbesprochenen habe ich gelesen, wenn auch oft vor einigen Jahren, nur habe ich sie noch nie vorgestellt. Deshalb jetzt – keine Rezension, keine Besprechung, nur eine Leseerinnerung. Willkommen beim Vabanquespiel!

Es muss 2009 gewesen sein, damals, als sich der Geburtstag von Sir Arthur Conan Doyle zum 150. Mal jährte. Kurz zuvor ist die Biographie Sir Arthur Conan Doyle : Das Leben des Vaters von Sherlock Holmes von Daniel Stashower in deutscher Übersetzung erschienen. An die Lektüre damals kann ich mich natürlich nur noch dunkel erinnern, aber es waren gute Lesestunden, die ich mit diesem Buch verbracht habe. Stashower war mir bereits als Autor von The Beautiful Cigar Girl: Mary Rogers, Edgar Allan Poe, and the Invention of Murder geläufig und auch dieses Buch mochte ich damals.

Stashowers Biographie zeichnet, wenn ich mich recht erinnere, ein zwiespältiges Porträt von Sir Arthur Conan Doyle, dem, wie es in der deutschen Unterzeile heißt, „Vater“ von Sherlock Holmes. Doyle, der Arzt, der so unglücklich mit seiner Berufswahl schien, der seine Holmes-Geschichten zunächst gerne geschrieben, dann aber leidlich unter ihnen gelitten hat, da sie ihm den Weg zum „ernsthafen“ Schriftsteller zu verbauen schienen. All das arbeitet Stashower in einer lebhaften Erzählung heraus, immer wieder belebt mit einfachen Begebenheiten aus dem Leben von Arthur Conan Doyle.

Dann aber auch Doyles Hang zum Übersinnlichen, seine ausufernden Phantasmen, seine Abgleiten in eine Art „Wahnsinn“. An all das kann ich mich jetzt, gute vier Jahre nach der Lektüre, noch erinnen – was ich als ein gutes Zeichen ansehe. Ebenso Doyles tief empfundenen Humanismus, seine Erlebnisse im Burenkrieg, wenn auch durchaus national gefärbt. Und schließlich die aufgeschobene Lektüreanregung, die diese Biographie ausspricht: Doyles vergessener, phantastischer Roman Die vergessene Welt.

In Zeiten, in denen jeder biographischen Begebenheit eines Autors nachgehechelt wird, sind solche ruhig und gelassen erzählten Lebensläufe, wie sie Stashower schreibt, eine Wohltat. Und sie strafen jene Kritiker lügen, die behaupten, Doyle sei in seiner Ästhetik und seiner Wirkung heute vernachlässigbar. Albernes Geschwätz, lesen Sie lieber diese Biographie – sie lohnt und klärt auf.

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